Die Sache Christi

Neue Ideen und Ansätze

Während der Sozialismus in erster Linie eine Regelung der wirtschaftlichen Produktivität durch das Gemeinschaftsprinzip anstrebt, will der Kommunismus auch den Konsum und das Gesamtleben durch dieses Prinzip regeln. Sein ursprüngliches und welthistorisches Credo ist das 'Kommunistische Manifest', nicht das, was daraus gemacht wurde oder später daraus geworden ist.

Die SACHE CHRISTI ist von Anfang an eine Sache des Einen Gottes, welcher der Herr und Vater aller ist. Von ihm stammt die eine ganze Menschheit.

Die SACHE CHRISTI, welche das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit ist, kennt kein absolutes Privateigentum, sondern die Erde mit all ihren Gütern, das heißt Grund und Boden, Wasser, Bodenschätze etc. gehört Gott und damit grundsätzlich auch den Menschen und zwar allen.

Reich Gottes ist immer Verheißung und Forderung zugleich.

Dieses Reich Gottes findet seinen klassischen Ausdruck in der Gütergemeinschaft der ersten Gemeinde in Jerusalem, die aus dem Verständnis ihrer Freiheit und Bruderschaft in Christus entsprungen war.

Der Kommunismus Christi zeigte erstmals sein strahlendes Gesicht.

"Diejenigen, die nun bereitwillig sein Wort annahmen, ließen sich taufen, und es wurden an jenem Tag etwa 3000 Seelen hinzugetan. Und sie blieben beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und in den Gebeten. Es kam aber Furcht über alle Seelen, und viele Wunder und Zeichen geschahen durch die Apostel. Alle Gläubigen waren aber beisammen und hatten alle Dinge gemeinsam; sie verkauften die Güter und Besitztümer und verteilten sie unter alle, je nachdem einer bedürftig war. Und jeden Tag waren sie beständig und einmütig im Tempel und brachen das Brot in den Häusern, nahmen die Speise mit Frohlocken und in Einfalt des Herzens; sie lobten Gott und waren angesehen bei dem ganzen Volk. Der Herr aber tat täglich die zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden." (Apg. 2, 41-47)

"Und die Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele; und auch nicht einer sagte, dass etwas von seinen Gütern sein Eigen sei, sondern alle Dinge waren ihnen gemeinsam. Und mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war auf ihnen allen. Es litt auch niemand unter ihnen Mangel; denn die, welche Besitzer von Äckern oder Häusern waren, verkauften sie und brachten den Erlös des Verkauften und legten ihn den Aposteln zu Füßen; und man teilte jedem aus, so wie jemand bedürftig war. Joses aber, der von den Aposteln den Beinamen Barnabas erhalten hatte (das heißt übersetzt: »Sohn des Trostes«), ein Levit, aus Zypern gebürtig, besaß einen Acker und verkaufte ihn, brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen." (Apg. 4, 32-37)

Leonhard Ragaz:

Diese Gütergemeinschaft hat nicht zur Verarmung der Jerusalemer Gemeinde geführt – wie manche argumentieren. Der wahre Sachverhalt ist vielmehr der, dass diese eine so gewaltige Strahlkraft hatte, dass sie die Armen zu tausenden anzog, was für die Gemeinde Christi die höchste Ehre bedeutet.

Fürsorge und Diakonie:

In jenen Tagen aber, als die Zahl der Jünger wuchs, entstand ein Murren der Hellenisten gegen die Hebräer, weil ihre Witwen bei der täglichen Hilfeleistung übersehen wurden. Da beriefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht gut, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen, um bei den Tischen zu dienen. Darum, ihr Brüder, seht euch nach sieben Männern aus eurer Mitte um, die ein gutes Zeugnis haben und voll Heiligen Geistes und Weisheit sind; die wollen wir für diesen Dienst einsetzen. (Apg. 6, 1-3)

Keiner sollte mehr hungern oder Angst in wirtschaftlichen Notlagen haben müssen. Das daraus entstehende Diakonat ist eine geschichtliche Neuschöpfung von gewaltiger Tragweite.

Das Liebesmahl der Gemeinde fand im Anschluss an das Herrenmahl (Feier der Erinnerung an den Opfertod und die Auferstehung Christi mit einem Ausblick auf sein Kommen zur Vollendung des Reiches Gottes) statt.

Es war ein Mahl, bei dem alle satt wurden und bei dem das Verschwinden der Unterschiede von Besitzenden und Armen, Freien und Sklaven, Männern und Frauen durch die vollkommene Familiengemeinschaft in Christus gefeiert wurde. (L. Ragaz)

Die Eigentumsfrage

Sie wird durchgängig gleich gesehen, z.B.

Basilius:

Sage mir doch, was denn überhaupt dein ist. Woher hast du es bekommen und in die Welt eingebracht? Gerade wie einer, der im Theater einen Platz eingenommen hat und alle später Kommenden verdrängt, in der Meinung, das Schauspielhaus, das doch für alle da ist, sein nur für ihn da. So die Reichen: Was der Allgemeinheit gehört nehmen sie in Beschlag.

Ambrosius:

Allen, Reichen und Armen, zu gemeinsamen Besitz ist die Erde gegründet. Warum masst ihr Reichen euch allein ein Eigentumsrecht an? Die Natur, die alle arm gebiert, kennt keine Reichen. Nackt kommen wir auf die Welt und ein kleiner Rasenhügel deckt gleichermaßen Arme und Reiche zu.

Hieronymus:

Mit Recht nennt Jesus den Reichtum einen ungerechten Mammon. Denn aus Ungerechtigkeit stammen alle Reichtümer. Der Eine kann nur gewinnen, was der Andere verliert. Daher der Spruch: Jeder Reiche ist ein Ungerechter oder der Erbe eines Ungerechten.

Chrysostomus:

Armut und Reichtum ... sind nicht ursprünglich Gottes Ordnung, sondern erst durch Ungerechtigkeit in die Welt gekommen.

Oder mit anderen Worten:

Privatbeseitz ist Raub am allgemeinen Gut.

Das Mönchtum verkörpert die gleiche Art von Gütergemeinschaft:

Das, was sie an Gütern besitzen, gilt als Eigentum Gottes und ist damit für den Dienst an den Armen bestimmt. (L. Ragaz)

Tabor:

Dieser Ort steht für die Manifestation von Leben im 'Gesetz Christ' und dem Recht aller auf die Güter der Erde.

"Am großartigsten entfaltet sich die Auffassung, die eine leidenschaftliche Grundempfindung wird, in dem radikalen Zweige der Hussiten, deren Mittelpunkt die Stadt Tabor in Südböhmen ist, diese heilige Burg Gottes und Christ, die zu den geweihtesten Stätten gehört, welche der Fuß Christi auf dessen Weg durch die Geschichte berührt hat. Hier lebte wieder eine Brüdergemeinde in vollkommener freier Gütergemeinschaft. Keiner sagte von seinen Gütern, dass sie sein eigen seien, sondern sie hatten alles gemein ... Diese Gemeinde feierte an Tischen, von denen noch ein Rest zu sehen ist, auf freiem Markte, oder in der großen Halle des Rathauses die Agape der urschristlichen Gemeinde. Ihren heiligen Mittelpunkt bildete der Kelch ... (er) wird ... zum schönsten und erhabensten Zeichen des Kommunismus Christ. Das Blut, das vom Kreuze her in diesen Kelch fließt, wird, neben dem Brote des Abendmahls, als Mahl der Gemeinde zum Zeichen von deren Verbundenheit durch Gott und Christus in allem ihrem Leben, dem materiellen wie dem geistigen. So steht der Kelch über den Haustüren von Tabor." (L. Ragaz)

Die Kommune in Münster:

Neben der offiziellen Reformation kommt es unter Thomas Müntzer, der ihr mächtigster Prophet ist, zu einer radikal kommunistischen Auferstehung des taborischen Hussitismus in der Stadt Münster, welche leider unter der Mitwirkung Luthers im Bauernkrieg blutig erstickt wird.

Aus den Enkeln der Reformation werden aber später dann die Besitzbürger, die wieder später dann das Geld gegen den Menschen setzten und damit dem Kapitalismus den Weg bereiteten.