Die Sache Christi

Der schmale Weg

Die Linie des Reiches Gottes ist nie ganz veschwunden. Denn in der Geschichte der SACHE CHRISTI wirkte durch die Zeit hindurch jene geheimnisvolle Kraft der 'grâce réparatrice', die auch bei Josef wirksam war, wenn er sagt: Ihr gedachtet es böse zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen. (1. Mo. 50, 20)

Der Strom der SACHE CHRISTI scheint zwar über lange Zeitstrecken versickert zu sein und wie im Unterirdischen zu fließen, aber von Zeit zu Zeit tritt er immer wieder neu, mal in schwächeren und vorüber gehenden, dann aber auch wieder in sehr starken und andauernden Durchbrüchen an die Oberfläche wie z.B.:

Das immer wieder neue Aufkommen der SACHE CHRISTI ist fast durchgehend mit einem neu erwachten Glauben an den Heiligen Geist und seine Kräfte verbunden. Dadurch tritt das revolutionäre Element der SACHE CHRISTI immer wieder in prophetischer Weise der priesterlichen und der Weise der Schriftgelehrten entgegengetreten.

Die Reformation

Weil sie im Wesentlichen sie eine Freiheitsbewegung war, ist ihre Verdienst die Zerbrechung des autoritäten Systems einer mittelalterlichen Kirchen-Theokratie.

Allerdings hat sie diesen später leider wieder an die Schriftgelehrten preisgegeben. Als Folge davon errichtete sie an der Stelle der Gerechtigkeit des Reiches Gottes im vollen Sinne die Rechtfertigung aus Glauben und Gnade allein.

Diese verhängnisvolle Verkürzung der Hauptbotschaft der SACHE CHRISTI wurde schließlich zur Grundlage für einen neu aufkommenden religiösen Egosismus.

Zudem wurde die Welt aus dem umfassenden Anspruch der SACHE CHRISTI freigegeben an die weltliche Obrigkeit und die in ihr operierenden Kräfte der Gewalt, Geld- und Machtgier.

Luther selbst verstand sich weniger als ein "Bürger des Himmelreiches" (siehe Phil. 3, 20) sondern als Deutscher, der für seine Deutschen kämpft. (L. Ragaz)

So verband sich das Luthertum mit dem Volkstum und siegt nach und nach über das Christentum. An dessen Ende stehen deutsche Gottheiten, unter deren Einfluss und Führung der deutsche Messias Adolf Hitler das Dritte Reich bauen will und die Welt in eine Kathastrophe stürzt.

Luthers Stellung zum großen deutschen Bauernkrieg von 1525 verrät, dass er an den Sieg des Reiches Gottes und seiner Gerechtigkeit, so wie die SACHE CHRISTI ihn verkündigt und darstellt, nicht wirklich geglaubt hat. (L. Ragaz)

Kein Wunder, wenn daraus jene lutherische Bürgerlichkeit erwachsen ist, welche die SACHE CHRISTI verbürgerlicht hat.

Die Ketzer:

In der Mitte ihrer Bewegungen erstrahlt das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit wieder neu, hell und revolutionär, sowohl im Ernstnehmen seiner Verheißungen als auch im Annehmen seiner Forderungen.

Sie glauben der Bibel und dem Geist, der sie führt, sie leben Nachfolge – oft bis in den Tod, sie sind Gemeinde im Gegensatz zur weltlich gewordenen Kirche und ihr Umgang mit dem ungerechten Mammon wird zur Herasuforderung für den Status Quo und das Establishment. (L. Ragaz)

Die Aufklärung

Sie will Gerechtigkeit in der Welt und in Weltform statt nur in kirchlichen Gestaltformen. Sie will Freiheit für den Menschen und rückt ihn wieder ins Zentrum. Rousseau und Pestalozzi bereiten den Weg für die Rückkehr des Menschen als Wille Gottes.

Mit dem Aufkommen der Idee der Entwicklung zeichnet sich das Bild eines kirchenfreien Christus erstmals am Horizont ab.

Die Erstarrung welche die geistige Bewegung durch die Vermischung des Glaubens an den lebendigen Gott mit dem statischen Denken des Griechentums und Römertums erfahren hatte und die im Dogma und in der Kirche, in der Scholastik und in der autoritären Theokratie zum Ausdruck gekommen war, wird durch einen glühenden Strom aufgelöst, auf allen Gebieten, im Denken, im wissenschaftlichen Weltbild, nicht weniger als in der Auffassung des menschlichen Wesens. Dieser glühende Strom aber hat seine Quelle im lebendigen Gott." (L. Ragaz)

Aus diesem Strom entstehen jene Menschenrechte, welche die Explosion der französichen Revolution bewirken und aus denen sich später der Sozialismus entwickelt.

Ein Sohn Israels, Karl Marx, geht noch einen Schritt weiter und entwickelt den Kommunismus als Abkehr einer ganzen Gesellschaft vom ungerechten Mammon.

Die Leben-Jesu-Bewegung:

Durch sie tritt die lebendige Gestalt des Jesus von Nazareth wieder an die Stelle der durch Dogma, Scholastik und Orthodoxie erstarrten, leblos gewordenen Religion des Christentums. (L. Ragaz)

Damit gelangen auch das Reich Gottes als SACHE CHRISTI und die Nachfolge Christi wieder in den Mittelpunkt menschlichen Denkens und Handelns wie z.B. bei den Blumhardts: An ihren Wirkungsstätten in Möttlingen und Bad Boll bricht das Reich Gottes nicht nur als Botschaft der SACHE CHRISTI, sondern auch als Wirklichkeit hervor, welche gut bezeugt ist.

Zusammfassung

Der göttliche Strom der SACHE CHRISTI ist also bisher nicht versiegt und wird es auch nicht. Es wird dies solange nicht bis nicht nur aus der Religion wieder Reich Gottes und seine Gerechtigkeit geworden ist und aus Christentum echtes Christustum, sondern bis "die Königreiche der Welt sind unserem Herrn und seinem Christus zuteilgeworden, und er wird herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit!" (Off. 11, 15)