Die Sache Christi

Klugheit

Die SACHE CHRISTI kennt den Umsturz: Jene herrschende Gesellschaftsschicht (füher die Aristokratie, dann die Burgoisie ... – heute vielleicht die Mittelschicht? – oder doch nur die 2 % 'upper class'?), jedenfalls sind es jene, die glauben, von der Verwalterin zur Besitzerin geworden zu sein (weil sie im Besitz der Produktionsmittel sind), und die darum auch die Macht über die materiellen Güter haben, – die werden nicht länger Verwalterin sein können. Der Umsturz kommt und dann wird diese Klasse – das Wort sei hier gestattet – übel dran sein.

Jesus erzählt davon in Luk. 16, 1-15:

Er sagte aber auch zu seinen Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter; und dieser wurde bei ihm verklagt, dass er seine Güter verschleudere. Und er rief ihn zu sich und sprach zu ihm: Was höre ich da von dir? Lege Rechenschaft ab von deiner Verwaltung; denn du kannst künftig nicht mehr Haushalter sein! Da sprach der Haushalter bei sich selbst: Was soll ich tun, da mein Herr mir die Verwaltung nimmt? Graben kann ich nicht; zu betteln schäme ich mich. Ich weiß, was ich tun will, damit sie mich, wenn ich von der Verwaltung entfernt bin, in ihre Häuser aufnehmen! Und er rief jeden von den Schuldnern seines Herrn zu sich und sprach zu dem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Der aber sprach: 100 Bat Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setze dich und schreibe schnell 50! Danach sprach er zu einem anderen: Du aber, wie viel bist du schuldig? Der aber sagte: 100 Kor Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreibe 80! Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, dass er klug gehandelt habe. Denn die Kinder dieser Weltzeit sind ihrem Geschlecht gegenüber klüger als die Kinder des Lichts. Auch ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn ihr Mangel habt, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten! Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht. Wenn ihr nun mit dem ungerechten Mammon nicht treu wart, wer wird euch das Wahre anvertrauen? Und wenn ihr mit dem Gut eines anderen nicht treu wart, wer wird euch das Eure geben? Kein Knecht kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird dem einen anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon! Das alles hörten aber auch die Pharisäer, die geldgierig waren, und sie verspotteten ihn. Und er sprach zu ihnen: Ihr seid es, die sich selbst rechtfertigen vor den Menschen, aber Gott kennt eure Herzen; denn was bei den Menschen hoch angesehen ist, das ist ein Gräuel vor Gott."

Der reiche Mann

Wie weit oben die 'upper class' auch sein mag, wie reich und begütert sie auch sein mag, da ist immer einer, der noch weiter oben ist, der wahrhaftig reich ist (weil ihm in Wirklichkeit alles gehört – siehe z.B. Ps. 24, 1) und der Rechenschaft verlangen wird.

Der Umsturz kommt

Es hilft alles Selbst-Rechtfertigen-vor-den-Menschen nichts, "mein Herr nimmt mir die Verwaltung." (V. 3) Erst da, aber dann doch, setzt ein Umdenken ein: aus Forderungen werden Schuldminderungen und aus Schuldnern werden Freunde. Da keimt dann auch die Hoffnung auf: Nicht verstoßen zu werden. Obwohl? Verdient hätte man's, nicht wahr?

Karl Kraus beschreibt das in seinem Gedicht "An den Bürger" mit sehr treffenden Worten:

Karl Kraus

Dass im Dunkel die dort leben
so du selbst nur Sonne hast
Dass sie für dich Lasten heben
neben ihrer eignen Last
Dass du, frei durch ihre Ketten
Tag erlangst durch ihre Nacht
Was wird von der Schuld dich retten
dass du daran nicht gedacht

Was tun? "Graben kann ich nicht; zu betteln schäme ich mich." (V. 3)

Diese Klasse hat sich aller ... Aufgaben, die das Leben der Gemeinschaft stellt, entwöhnt. Sie hat ein Leben des Genusses geführt, das nur ausnahmsweise sich über das Niveau des Sportes zu einer gewissen feingeistigen, mit Vorliebe ästhetischen Kultur erhob. Sie ist an Reichtum und Luxus gewöhnt. Der Gedanke, das alles lassen zu sollen, ist ihr unerträglich, ist für sie wie ein Todesurteil. (L. Ragaz)

Die Moral von der Geschicht'

  1. Gott waltet in der Welt! (– nicht in jenem abgeschlossenen Bezirk, dem man ihm nur allzu gerne zuweist und den man Religion nennt)
  2. Wenn sie nur wüsste: Jene Klasse würde gerne freiwillig zahlen, um nicht eines Tages unfreiwillig und auf ganz andere Art bezahlen zu müssen.
  3. Schulden-Teilerlässe sind eine gute Sache.
  4. Zwar kann man sich nicht mit Geld echte Freunde kaufen, aber durch einen anderen Umgang mit dem ungerechten Mammon kann man sich sehr wohl echte Freunde machen. (Ein gutes Beispiel dafür ist Oskar Schindler, der gegen Zahlung von einer Million Reichsmark 1200 seiner Arbeiter von den Zügen in die Vernichtungslager retten konnte.)
  5. "Das Gut eines andern" ist die Erde, denn "dem HERRN gehört die Erde und was sie erfüllt." (Ps. 24, 1)

Fußnote

"Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter."

Zwischen dem reichen Mann und den Schuldnern steht der Haushalter – vielleicht als Bild für die Mittelschicht? Jeenfalls wird es maßgeblich von ihr abhängen, wie es mit dem Reichtum und der Verteilung desselben weitergeht. Der Haushalter schadet dem Reichtum des Mannes zugunsten der Schuldner. Aber dafür wird er gelobt:

"Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter."

Wäret ihr doch alle auf die rechte Art so geschickt:

Dann wird sie auch den Gewinn haben, nicht sie allein, sondern zusammen mit allen andern.