Die Sache Christi

Das Geschlecht der Riesen

Und es geschah, als sich die Menschen zu mehren begannen auf der Erde und ihnen Töchter geboren wurden, da sahen die Gottessöhne, dass die Töchter der Menschen schön waren, und sie nahmen sich von allen jene zu Frauen, die ihnen gefielen. Da sprach der HERR: Mein Geist soll nicht für immer mit dem Menschen rechten, denn er ist ja Fleisch; so sollen seine Tage 120 Jahre betragen! In jenen Tagen waren die Riesen auf der Erde, und auch später noch, solange die Gottessöhne zu den Töchtern der Menschen kamen und diese ihnen Kinder gebaren. Das sind die Helden, die von jeher berühmte Männer gewesen sind. Als aber der HERR sah, dass die Bosheit des Menschen sehr groß war auf der Erde und alles Trachten der Gedanken seines Herzens allezeit nur böse, da reute es den HERRN, dass er den Menschen gemacht hatte auf der Erde, und es betrübte ihn in seinem Herzen. 7Und der HERR sprach: Ich will den Menschen, den ich erschaffen habe, vom Erdboden vertilgen, vom Menschen an bis zum Vieh und bis zum Gewürm und bis zu den Vögeln des Himmels; denn es reut mich, dass ich sie gemacht habe! (1. Mo. 6, 1-7)

Auch dieses ist ein Ur-Element allen Geschehens: Nach dem Verlust des wahren Absoluten stellt sich das falsche ein, das in seinem Drange doch Gott haben, Gott nachmachen zu wollen, sich zu Gottesmacht und Gottesglanz aufreckt. Es sind dies die riesenhaften, über das menschliche Maß hinausgehenden Erscheinungen der Geschichte, vor denen wir stanunend stehen, sei's mit Bewunderung oder Abscheu wie z.B. Nebukadnezzar, Xerxes, Alexander, Cäsar, Attila, Dschingiskhan, Napoleon u.v.a.m.

Alles aus dem Gotteszusammenhang gerissene Sein muss irgendwie, im Kleineren, Größeren, Allergrößten, die Absolutheit erstreben: Es tut dies vor allem im Erstreben von Größe und zwar der Natur der Sache nach quantitativer Größe. Denn die qualitative Größe kann nur vom echten Absoluten, von Gott selbst, stammen. Es muss sich ausdehnen, muss es in unendlicher Leidenschaft tun. Und dazu gesellt sich nun verirrte Gottesmacht, unbegreifliche Kraft und unbegreifliche Leistung. (L. Ragaz)

Der 'Wille zur Macht', die Leidenschaft zur Herrschaft aber, wenn sie in das Reich des Bösen gerät, wird zu einer schier unbegreiflichen Kraftleistung des Bösen, zum Satanentum wie bei Hitler, Stalin, Mao u.v.a.m.

Es wird Erfolg, ja 'Glück' des Bösen. Es wird dämonische Leidenschaft des Bösen, Leidenschaft der Herrschaft, der Vergewaltigung der Leiber und Seelen, Laster im Kolossalstil, Willen zur Zerstörung und Vernichtung, molochartiges Verlangen nach Opfer und besonders Durst nach Blut, teuflische Freude am Bösen und der Bosheit. (L. Ragaz)

Das von Gott abgeirrte und entfernte sehnt sich aus seiner Entfremdung und Wüste, aus seiner leeren und unseligen Abstraktheit, in die Welt des Menschen hinein. Es greift nach der Welt. Es will sich mit der Welt und dem Menschen verbinden. Es will seine 'Kinder' in die Welt des Menschen setzten und tut es auch.

Sie dürfen zwar aufsteigen, aber müssen auch bald wieder sterben (120 Jahre). Diese Art von Titanentum oder gar Satanentum muss beschnitten werden, es muss ihr eine Grenze gesetzt werden. Und Gott tut das.

Die Weltreiche sind zerfallen. Auch die heutigen Titanismen und Satanismen werden bald vergehen. Gott, der Eine, Heilige, Lebendige, duldet keine falsche Größe eines angemaßten Absoluten. Er stürzt die Götzen. Auch die idealsten. Das ist eine weitere Ur-Tatsache der Geschichte wie aller Wirklichkeit. (L. Ragaz)