Die Sache Christi

Der Ur-Kampf: Gut und Böse

Ohne Spannung – naturgemäß zwischen Gegensätzen, seien es relative oder absolute – gibt es keine Bewegung, keine Entwicklung; es herrscht Stillstand.

Der Bibel nach kommt diese Spannung aus dem Verlust des Paradieses.

Dieser Kampf aber ist nach der Bibel der Sinn der Geschichte im Ganzen wie im Einzelnen, im Großen, dessen Größe dadurch oft klein wird, wie im Kleinen, dessen Kleinheit dadurch Größe bekommt ... Der Sinn ist immer auch ein gegenwärtiger. Und er ist dieser: Adam, der Menschen, wird immer vor Gott gestellt, dass er sich zwischen Gehorsam und selbstischer Willkür, zwischen Gut und Böse, zwischen Gott und der Welt entscheide. Er verliert also nie absolut die göttliche Mitgift der Freiheit und der Fähigkeit zum Guten, wenn diese auch geschwächt werden mögen und eine Belastung der Geschichte, sowohl des Einzelnen wie des ganzen Geschlechts entsteht. Diese Mitgift kann und soll sogar durch Christus wieder hergestellt, ja, durch die felix culpa, die überragende Gnade vermehrt werden. Er kann sich immer entscheiden. Er kann immer wieder den Kampf aufnehmen. Mit wechselndem Erfolg, aber mit der Aussicht auf Sieg. (L. Ragaz)

Ein Mose kämpft in der Wüste, bis ihm der Eine Gott erscheint, der der Heilige und Lebendige ist. Ein Elias ringt mit Baal, dem Naturgott, der die Seele Israels erobern will. Ein Amos mit dem Nationalgott, dem Gott, der Israels Diener sein soll, statt dass Israel selbst Gott, dem wahren Gott dient. Jeremias vollendet diesen Kampf, indem er über den Gott des Volkes zu seinem Gott vordringt und so Gott und den Einzelnen zusammenbringt. Alle kämpfen sie im Grunde für den wahren Gott gegen die Götzen. Christus ringt in der Versuchung der Wüste mit der verinigten Macht der Welt und des ganzen Reiches der Verführung um das Reich Gottes. Dann wieder bricht Paulus vom Pharisäismus zu Christus vor, Franziskus vom Cäsar-Christus zum 'armen Jesus', die Reformatoren von einer Religion, die in menschlichen Institutionen und Theorien die Wirklichkeit Gottes verloren hat, zu Gottes Reich selbst, das in Christus unmittelbar der Seele sich bietet. (L. Ragaz)