Die Sache Christi

Der Besitzwahn

Die SACHE CHRISTI ist eine ernste Warnung, vor der auf der Hut zu sein vor Habsucht, oder besser, vor der Raffsucht. Denn Besitz ist nicht mur Reich-machend, er hat leider auch etwas Blind-machendes:
Im Besitz meint man das Leben zu haben.

Jesus redet recht deutlich davon in Luk. 12, 13-21:

Es sprach aber einer aus der Volksmenge zu ihm: Meister, sage meinem Bruder, dass er das Erbe mit mir teilen soll! Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbteiler über euch gesetzt? Er sagte aber zu ihnen: Habt acht und hütet euch vor der Habsucht! Denn niemandes Leben hängt von dem Überfluss ab, den er an Gütern hat. Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Das Feld eines reichen Mannes hatte viel Frucht getragen. Und er überlegte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun, da ich keinen Platz habe, wo ich meine Früchte aufspeichern kann? Und er sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin alles, was mir gewachsen ist, und meine Güter aufspeichern und will zu meiner Seele sagen: Seele, du hast einen großen Vorrat auf viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und sei guten Mutes! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird gehören, was du bereitet hast? So geht es dem, der für sich selbst Schätze sammelt und nicht reich ist für Gott!

Die SACHE CHRISTI tadelt jene Anhäufung von Besitz, die weit über das zum täglichen Leben notwendige hinausgeht. Jener Besitz-Geist, der im Umgang mit seinen Gütern diese für sich sammelt und schmählich zurückhält, bringt oft Streit und Krieg hervor.

Jakobus (Kap. 4, 1+2): Woher kommen die Kämpfe und die Streitigkeiten unter euch? Kommen sie nicht von den Lüsten, die in euren Gliedern streiten? Ihr seid begehrlich und habt es nicht, ihr mordet und neidet und könnt es doch nicht erlangen; ihr streitet und kämpft, doch ihr habt es nicht.

Paulus bezeichnet die Habgier als Götzendienst (Kol. 3, 5) und die Geldgier als eine Wurzel alles Bösen. (siehe 1. Tim. 6, 10)

Denn wo Gott nicht herrscht, da herrschen die Götzen.

Der mächtigste von ihnen ist der Mammon – so nennt ihn die SACHE CHRISTI. Heutzutage kommt er schick daher im modernen Gewand des Kapitalismus. Sein Metier ist die globalisierte neoliberale Marktwirtschaft, die keinerlei Regulierungen seitens einer anderen Macht (z.B. des Wohlfahrtsstaates) will.

Sein Vater ist die Gier, jene unendliche Gier des verlorenen Paradieses, die an jener wunden Stelle des verlorenen Gutes einer intakten Beziehung zu Gott unaufhörlich juckt. Das Kratzen ist die unersättliche menschliche Gier, welche die Leere füllen will, die durch den Verlust der Gottesbeziehung entstanden ist.

Seine Mutter ist die Sorge, eine Mutter mit vielen Brüsten. Da ist z.B. die Mutterbrust der Sorgen

u.v.a.m.

Leonhard Ragaz:

Der Mensch sucht im Besitz, besonders im Gelde sein Leben. Er tut das, wenn und weil er kein Besseres kennt. Das heißt: er tut es, weil er Gott nicht kennt. Darum sucht er im Besitze vor allem eins: Sicherheit. Er will einen Vorrat auf viele Jahre haben. Er will damit die ungeheuere Macht der Sorge brechen ... Aber er will noch mehr: Seine Seele sehnt sich doch nach einem besseren Leben als dem ewigen Jagen nach dem Besitz. Sie möchte einmal Ruhe haben ... aber es soll nicht nur Ruhe sein, sondern auch Genuss ... Es ist wesentlich eine Zivilisation der Sorge und Gier ... Man wollte besitzen, um Sicherheit zu erlangen. Man wollte besitzen, um Macht zu gewinnen. Man wollte besitzen, um Ruhe zu finden. Man wollte besitzen, um zu genießen.

Die ganze Welt gewinnen

Vom Drang nach Leben geht eine verirrte Wurzel der Gier aus und wird zum Fluchbaum einer Zivilisation ohne Gott.

Der Kapitalismus verbindet sich mit dem Imperialismus, der neue Märkte erobert. Die moderne Technik verleiht dem Menschen die Fähigkeit zur Produktion einer Vielzahl und Masse an Gütern und Dienstleistungen, die den Durst stillen sollten –aber sie vermochten es nicht.

Dann wurden die 'Scheunen' zu klein. Es wurde viel mehr produziert als konsumiert werden konnte. Folglich musste der Markt größer gemacht werden. Aber auch der Durst wurde geschürt, die Gier angefacht. Das nannte man Fortschritt.

Die Kehrseite dieses 'Fortschritts' brachte und bringt immer noch eine Armut mit sich, bei der immer noch der arme Lazarus vor dem Portal des reichen Mannes liegt. (siehe Luk. 16, 19-31)

Die Kluft zwischen Nutznießern und Ausgenützten wuchs an. Die eine Gesellschaftsschicht der Profitkultur ging einer lockenden, glänzenden und gesicherten Zukunft entgegen und entwickelte die Genusskultur: Ich "will zu meiner Seele sagen: Seele, du hast einen großen Vorrat auf viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und sei guten Mutes!" (V. 19)

Aber dem Leben ohne Gott tritt Gott selbst entgegen: "Du Narr! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird gehören, was du bereitet hast?" (V. 20)

Was, wenn über Nacht die ganze Besitzherrlichkeit zusammenstürzt?

Carlyle schildert dies mit drastischer Eindringlichkeit, wenn er anprangert, wie Anfang des 20. Jahrhunderts in Amerika Lokomotiven mit Weizen befeuert wurden, während in Europa Millionen von Menschen in der Wirtschaftskrise an Hunger starben.

Die mammonistisch-kapitalistische Idee vom Leben hat dem Menschen Tod gebracht.

Papst Franziskus

Papst Franziskus:

Diese Wirtschaft tötet ... Das ist Ausschließung. Es ist nicht mehr zu tolerieren, dass Nahrungsmittel weggeworfen werden, während es Menschen gibt, die Hunger leiden. Das ist soziale Ungleichheit ... Wir haben die 'Wegwerfkultur' eingeführt, die sogar gefördert wird. Es geht nicht mehr einfach um das Phänomen der Ausbeutung und der Unterdrückung, sondern um etwas Neues: Mit der Ausschließung ist die Zugehörigkeit zu der Gesellschaft, in der man lebt, an ihrer Wurzel getroffen, denn durch sie befindet man sicht nicht in der Unterschicht, am Rande oder gehört zu den Machtlosen, sondern man steht draußen. Die Ausgeschlossenen sind nicht 'Ausgebeutete', sondern Müll, 'Abfall'. (Evangelii gaudium, 53)

Zuletzt aber wird aus der Weltgier die Notwendigkeit zum Weltkrieg.

Nietsche und Heidegger fassen es in kurze Worte:

Von Gott weg zum Nichts, von Mammon zum Mord. Die Pracht versinkt in den Abgrund und der Reichtum der Nationen wird in den Kriegskosten vertan.

Das verirrte Verlangen nach Leben zeigt sich in der Gier: im Trachten nach Besitz, Einfluss, Macht, Ehre; man meint, darin das Leben zu haben. Die SACHE CHRISTI hingengen konzentriert das Trachten des Menschen auf die Gerechtigkeit des Reiches Gottes.

Die Moral von der Geschicht'

  1. Richtig reich sein geht aus Gott, in Gott und für Gott. Das ist das Geheimnis. Wahres Leben gibt es nur aus Gott. Er allein vermag, wirkliche Sicherheit zu geben. Er allein vermag, die Sorge zu vertreiben oder abzunehmen. (siehe 1. Pet. 5, 7). Wahre Freude gibt es allein bei ihm. (siehe Ps. 16, 11)
  2. Reichtum verplichtet. Weil "die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner" Gott gehört (siehe Ps. 24, 1) – und damit auch dem Mitmenschen.
  3. Die SACHE CHRISTI kennt keinen reinen Privatbesitz. Es gibt ihn nur als Lehen, das im Sinne Gottes verwaltet gehört. So mag auch Reichtum erlaubt sein. Aber er ist immer eine Gefahr. Diese besteht in der Anhäufung großer Reichtümer in den Händen einer herrschenden Klasse. Das aber sollte so nicht sein.
  4. Gott ist besser als der Mammon. Gott soll herrschen, damit der Mammon nicht herrschen kann. Was wäre das für eine Welt!

Leonhard Ragaz:

"Eine Gesellschaft, die nicht am Gelde orientiert wäre, sondern am Menschen: an seiner Wohlfahrt, seinen leiblichen und seelischen Bedürfen, seiner Würde, seinem heiligen Recht; eine Gesellschaft, in der nicht die Maschine herrschte, sondern die Seele; eine Gesellschaft, worin die Arbeit Gottes- und Menschendienst würde; eine Gesellschaft, die dem einzelnen, soweit das möglich und nötig ist, Sicherheit gewährte: Sicherheit der Arbeit, Sicherheit des Rechtes, Sicherheit für die Tage der Krankheit und des Alters. Eine solche Gesellschaft wäre vielleicht, verglichen mit der kapitalisitsch-mammonistischen, die nun zusammenbricht, arm, aber sie wäre sehr viel reicher als diese. Raffsucht und Genussfieber wären gestillt, weil aufgehoben, aber es strömte ein Meer von Freude aus Gott in die Welt." (geschrieben 1944)