Die Sache Christi

Umwälzungen in der Politk

– ein kurzer geschichtlicher Abriss

Dem Sturz der Götter folgen Veränderungen in den Sphären des öffentlichen Lebens: im Gemeinwesen und der Politik.

Die SACHE CHRISTI hebt den Wert des Menschen hervor – und zwar den Wert des Einzelnen in seiner Personenhaftigkeit (was das Neue Testament im tieferen Sinne Seele nennt).

Dem Fatum des Menschen tritt der heilige und gerechte Gott entgegen, dessen Wille der Mensch ist, der dem einen lebendigen Gott heilig ist. Denn es steht geschrieben: "Ihr sollt heilig (mir) sein, denn ich bin heilig!" (1. Pet, 1, 16 und 3. Mo. 11, 45)

Damit ist der Grundstein der Demokratie gelegt:

Der Kern ist Gleichheit, nicht in der Natur, sondern im Wert.

Gal. 3, 28: Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Knecht noch Freier, da ist weder Mann noch Frau; denn ihr seid alle einer in Christus Jesus.

Gal. 5, 1: So steht nun fest in der Freiheit, zu der uns Christus befreit hat, und lasst euch nicht wieder in ein Joch der Knechtschaft spannen!

Diese Gleichheit deutet auf die umfassende Gemeinschaft der ganzen Menschheit.

Eine Vielzahl von Göttern zerreisst auch die eine Menschheit in eine Vielzahl von Völkern, Rassen und Religionen. Die SACHE CHRISTI hingegen kennt nur einen Herrn und Gott und "Vater aller, über allen und durch alle und in allen". (Eph. 4, 5)

Der Geist Gottes wird ausgegossen über "alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, und eure jungen Männer werden Gesichte sehen, und eure Ältesten werden Träume haben; ja, auch über meine Knechte und über meine Mägde werde ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie werden weissagen." (Apg. 2, 17) Söhne und Töchter, Greise und Jünglinge, ja sogar Sklaven und Sklavinnen sind eingeschlossen.

Das Vorrecht der Propheten und Priester ist ausgehebelt und ein allgemeines Priestertum in Kraft gesetzt: Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, damit ihr die Tugenden dessen verkündet, der euch aus der Finsternis berufen hat zu seinem wunderbaren Licht (1. Pet, 2, 9).

Der Mensch wird im Innersten auf sich selbst und seine Erkenntnis des Reiches Gottes und seiner Gerechtigkeit gestellt, sprich auf sein Gewissen.

Der 'Anarchismus Gottes'

Den Reichen der Welt und des Tieres tritt das Reich des Menschensohnes von Gott her entgegen und überwindet es. (siehe Dan. 2 und 7)

Der Souveränität der weltlichen Gewalten bis hin zu den anspruchsvollsten Formen absoluter und totalitärer Staaten tritt die Souveränität Gottes im Gewissen des Einzelnen gegenüber – und behauptet sich gegen sie.

Jesus Christus hat die entscheidende Bresche geschlagen und die kann hinfort nicht mehr geschlossen werden. Der Fluss der Geschichte folgt seit seinem Tod und seiner Auferstehung einem anderen Lauf.

Das tat er so:

Brian McLaren

Zuerst lockte er die dunkle Maschinerie ans Tageslicht, sodass jeder sie als das sehen konnte, was sie war. Nachdem er im Garten Gethsemane gebetet hatte: Dein Wille geschehe, und er Selbstaufopferung statt Selbstschutz gewählt hatte, schritt er wie ein Lamm mitten unter die Olivenbäume, sodass die Wölfe aus dem Schatten traten und ihn umzingelten. Dann reckte er den Hals vor und lud sie förmlich ein, sich auf ihn zu stürzen. Als er seinen Hals entblößte, entblößte er ironischerweise zugleich ihr Wolfsein und sabotierte sie, besiegte sie und ließ sie hässlich und unglaubwürdig ausssehen. Immerhin konnten sie nicht länger so tun, als seien sie Überbringer von Frieden und Versprechen, nachdem sie einen guten und friedlichen Mann gewaltsam und schändlich gefoltert und letztendlich getötet hatten. Und als die Wolfsmächte gerade einen zufriedenen Seufzer ausstießen, weil sie wieder einmal einen Herausforderer ans Kreuz genagelt hatten, bestätigte die stille, aber reale Auferstehung Jesu seinen Jüngern, dass der wahre König nicht besiegt war, sondern vielmehr im Stillen, am Rand eine Revolution begann. Seine Auferstehung sagte ihnen, dass der Kaiser mit all seinen Muskeln die Verletzlichkeit Gottes nicht überwinden konnte, dass kaiserliche Speere Gottes Herz nicht durchdringen und seine Peitschen und Nägel und Kreuze Gottes Weg der Liebe und Versöhnung nicht besiegen konnte. (B. McLaren)

Ein anderes Prinzip ist in Kraft gesetzt:

"Das Prinzip des von Gott gesetzten und geschützten Menschen, und damit eine Freiheit und ein Recht, die nie mehr ganz vergessen und ohne Reaktion dagegen vergewaltigt werden konnten." (L. Ragaz)

Nelson Mandela

Dieses Prinzip manifestiert sich in Volksbewegungen und Demonstrationen demokratischer Art. Es manifestiert sich aber auch im Zugang zu Hierarchien: Ein Gefangener kann Präsident eines Landes werden, wie es bei Nelson Mandela in Südafrika passiert ist.

Die Kraft fließt aus der Solidarität, der Verpflichtung gegeneinander.

In der Reformation

Freilich war sie zunächst eine Bestätigung und Erneuerung der Demokratie durch die Betonung des Rechtes der Menschen als Mensch, als einzelner Mensch, als sündhafter Mensch dennoch im Glauben freien Zugang zu Gott haben zu können.

Als fatal sollte sich jedoch die Entwicklung der Trennung von Kirche und Staat herausstellen, die unter dem Einfluss von Luther's Schrift: "Von weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei" geschah. Mit seiner Unterscheidung des geistlichen Reiches von den weltlichen Reichen kam es zur Preisgabe des Anspruches Gottes auf alle Wirklichkeit und somit auch auf die staatliche – mit dramatischen Folgen für die SACHE CHRISTI und leider auch besonders für Deutschland.

Die Lehre der Eigengesetzlichkeit der weltlichen, insbesondere der politischen und sozialen Dinge, führte zunehmends zu einer Unabhängigkeit von moralischen, religiösen und sittlichen Werten und Normen. Getrennt von der heiligen Wurzel und damit auch von der Heiligkeit des Menschen kommt es zu Verzerrung und Entartung. Diese gipfelte schließlich im Nazi-Deutschland, im Holocaust und im Weltkrieg.

In der Neuzeit

Die Saat des Reiches Gottes und seiner Gerechtigkeit bringt erneut an vielen Orten viel Gutes hervor:

Von der Freyheyt eyniß Christenmenschen

  1. Die Denkschrift Luthers "Von der Freiheit eines Christenmenschen" proklamierte die Rede- (und Versammlungs)freiheit, worauf wenig später die Proklamation der Menschenrechte fußt, die ihren Siegeszug durch die ganze Welt beginnt.
  2. Die Lehre von der Würde des Menschen bereitet das Ende der Sklaverei in England und Amerika.
  3. An vielen Stellen beginnt der leidenschaftliche und aufopferungsvolle Kampf gegen Kriminalität, Alkoholismus, Prostitution und andere Laster, die zur Entwürdigung des Menschen führen.
  4. Der Kampf für den Frieden und gegen den Krieg gewinnt im Völkerbund eine zentrale und bleibende Gestalt.