Die Sache Christi

Das Paradies

Dieses ist ein Symbol eines Ur-Datums (im Sinne einer gegebenen Sache) aller Wirklichkeit. Es meint die Ordnung, wie sie 'im Anfang' war und ist, und die heute genauso gilt, wie sie einst gegolten hat:

Aus Gott qillt das Leben, die Kraft, die Gesundheit, die Fruchtbarkeit, der Segen, die Freude, der Friede usw. Aus ihm strömt die Fülle, welche alle Geschöpfe sättigt, so dass keine Gier aufkommen kann; aus ihm strömt Leben, das keinen Tod kennt. Aus ihm strömt die Schönheit, welche alle Wesen ziert und Gott selbst sichtbar macht. Von ihm erhält der Mensch seinen Sinn und seine Würde, sein Sein und Mensch-Sein. Aus Gott strömt auch das Licht, das ihn selbst den Menschen offenbar macht. Den Menschen strömt die Unendlichkeit zu, strömt der Himmel ihm entgegen. (L. Ragaz)

Durch Gott sind alle Wesen zur Einheit und Harmonie verbunden, und jedes hat von ihm sein besonderes heiliges Recht. Dieses wiederum hat seinen Sinn und seine Grenze im Recht aller anderen.

Das Paradies ist Sinnbild für die uralte Ahnung in der Menschenseele vom Frieden und Glück in der Menschenwelt. Es ist etwas Vergangenes, aber vor allem auch etwas Zukünftiges. (siehe Jes. 2 und 11; Off. 21 und 22)

Es ist die Erwartung des Paulus auf den Eintritt der Erlösung und der Freiheit des Menschen, welche als Hoffnung auf das Gottesreich in der geschichtlichen Wirklichkeit von der ganzen Schöpfung ersehnt wird. (siehe Röm. 8).

Gottes Ziel und Plan ist die Welt der Gerechtigkeit.

Das Paradies ist ein Grundelement der Menschengeschichte. Es war da und wird sein, aber es ist immer auch da.

Apg. 2, 41-47: Diejenigen, die nun bereitwillig sein Wort annahmen, ließen sich taufen, und es wurden an jenem Tag etwa 3000 Seelen hinzugetan. Und sie blieben beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und in den Gebeten. Es kam aber Furcht über alle Seelen, und viele Wunder und Zeichen geschahen durch die Apostel. Alle Gläubigen waren aber beisammen und hatten alle Dinge gemeinsam; sie verkauften die Güter und Besitztümer und verteilten sie unter alle, je nachdem einer bedürftig war. Und jeden Tag waren sie beständig und einmütig im Tempel und brachen das Brot in den Häusern, nahmen die Speise mit Frohlocken und in Einfalt des Herzens; sie lobten Gott und waren angesehen bei dem ganzen Volk. Der Herr aber tat täglich die zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.

Apg. 4, 32-37: Und die Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele; und auch nicht einer sagte, dass etwas von seinen Gütern sein Eigen sei, sondern alle Dinge waren ihnen gemeinsam. Und mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war auf ihnen allen. Es litt auch niemand unter ihnen Mangel; denn die, welche Besitzer von Äckern oder Häusern waren, verkauften sie und brachten den Erlös des Verkauften und legten ihn den Aposteln zu Füßen; und man teilte jedem aus, so wie jemand bedürftig war. Joses aber, der von den Aposteln den Beinamen Barnabas erhalten hatte (das heißt übersetzt: 'Sohn des Trostes'), ein Levit, aus Zypern gebürtig, besaß einen Acker und verkaufte ihn, brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.

Der Paradies-Verlust

Die Geschichte vom 'Sündenfall' in ihrer mythischen Form ist ein Teil des Gesamtsymbols Paradies. Der Sündenfall ist nicht bloß eine Tatsache der Vergangenheit, er ist nicht nur eine Geschichte, die sich einst begeben hat, sondern der Sündenfall passiert immer wieder auf's Neue. Es ist, was wir als Adam (d.h. Mensch) heute erleben, gestern erlebt haben und morgen erleben werden.

Denn Adam bist Du; Adam ist nicht nur der Ur-Mensch gewesen, sondern Adam ist der Ur-Mensch heute. Und so Eva. (L. Ragaz)

Das Übel:

Das ist nichts anderes als die Frucht einer Tat des Menschen, seiner Entscheidung. Das Übel ist die Schuld des Menschen, nicht Gottes Schuld. Es ist auch nicht ein dunkles Fatum oder eine ideelle begriffliche Notwendigkeit. Das Übel ist schlicht und einfach die Folge einer Tat. Die widerum stammt aus dem Bösen.

Aber an einer Stelle ist die Wende eingetreten. Hier glaubt man an eine Revolution der Welt von dem Einen, heiligen und lebendigen Gott her. Wenn die Welt durch die Tat des Menschen geworden ist, wie sie ist, so kann sie durch die Tat des Menschen verändert werden. Anders und besser gesagt: Wenn die Welt, wie sie ist, nicht so ist, wie Gott sie will, sondern anders, als er sie will, dann kann sie revolutioniert werden, wenn sein Wille geschieht. (L. Ragaz)

Das erklärt auch Paulus so in Römer 5, 12-19:

Darum, gleichwie durch einen (oder besser: den) Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod, und so der Tod zu allen Menschen hingelangt ist, weil sie alle gesündigt haben ... Denn wenn durch die Übertretung des Einen (oder besser: des Menschen) die Vielen gestorben sind, wie viel mehr ist die Gnade Gottes und das Gnadengeschenk durch (den Menschen bzw.) den einen Menschen Jesus Christus in überströmendem Maß zu den Vielen gekommen ...Denn wenn infolge der Übertretung des einen (oder beser: des Menschen) der Tod zur Herrschaft kam durch den einen (oder beser: den Menschen), wie viel mehr werden die, welche den Überfluss der Gnade und das Geschenk der Gerechtigkeit empfangen, im Leben herrschen durch (den Menschen, nämlich) den Einen, Jesus Christus! Also: Wie nun durch die Übertretung des einen (oder besser: des Menschen) die Verurteilung für alle Menschen kam, so kommt auch durch die Gerechtigkeit (des Menschen) des Einen für alle Menschen die Rechtfertigung, die Leben gibt. Denn gleichwie durch den Ungehorsam des einen Menschen (oder beser: des Menschen) die Vielen zu Sündern gemacht worden sind, so werden auch durch den Gehorsam (des Menschen, nämlich) des Einen die Vielen zu Gerechten gemacht.

Die Freiheit:

Zur Vollkommenheit der Welt gehört die Freiheit – vor allem die Freiheit des Menschen – im Gegensatz zum Schicksal als Fatum.

Die Botschaft der SACHE CHRISTI vom freien Gott und dem freien Menschen zerbricht das Fatum und setzt die Freiheit als Ur-Tatsache und Ur-Ziel der Geschichte des einzelnen Menschen wie der Völker und der Menschheit im Ganzen. Diese ist freilich nicht primär die Freiheit von etwas, sondern die Freiheit zu etwas, nämlich zum Gehorsam gegen Gott, dem Geber der Freiheit.

Zugleich aber sehen und verstehen wir, dass damit die Möglichkeit zum Bösen gegeben ist. Denn was wäre der freie Gehorsam des Menschen gegen Gott, wenn er nicht aauch anders könnte? Aber was für eine Freiheit wäre es, wenn der Mensch sich nicht auch gegen die Versuchung erwehren könnte?

Die Schlange:

Sie ist ebenfalls ein Ur-Symbol, nämlich das der Versuchung. Ihr Angriff gilt dem Glauben: 'Sollte Gott wirklich gesagt haben?'

Damit lockt sie den Menschen weg vom unmittelbaren Hören und Gehorchen der Stimme Gottes in die Reflexion. Und in diesem Augenblick beginnt auch schon der Zweifel. Dieser löst das heilige Band der Scheu.

Die von Gott gegebene Freiheit wird zur Freiheit von Gott und zum Wunsch los zu brechen von dem Gott, an den die Freiheit jedoch gebunden ist.

Der Mensch fängt an zu meinen, er wisse und gerät so er weiter ab von Gott und in den Wahn hinein: Er wähnt, Gott enthalte ihm etwas vor, nämlich zu sein wie er; worauf sich des Menschen Neid erregt.

Wir wissen nicht, wie die Geschichte verlaufen wäre ohne den Fall – das weiß nur Gott –, aber wir verstehen sehr wohl, dass ein 'Du sollst' gilt, ebenso wie das 'Du sollst nicht'. Wir vermögen die Tragödie des Menschen nur im Mythos zu verstehen, nicht in der wissenschaftlich zu verstehenden Geschichte. Aber in ihr sind Akte des Falls, des Abfalls, immer immer wieder fest zustellen. Das aber ist das Ur-Böse: der Abfall von Gott, das Fehlen Gottes. Daraus entsteht eine ganze Welt des Bösen und mit ihm der Fluch – damals, heute und künftig – bis der Fluch getilgt ist. (L. Ragaz)

Die erste Frucht dieses Abfalls ist die Gier:

Denn das Fehlen macht sich unmittelbar bemerkbar, es tritt sogleich die Verarmung ein. Solange und soweit die Dinge in der rechten Beziehung zu Gott verharren, ruhen sie im Reichtum der Unendlichkeit. Dieser nun geht verloren, aber das Verlangen, der Hunger, bleibt: es entsteht die Gier: Der Reichtum der Unendlichkeit soll im Endlichen zusammengerafft werden. Da dies aber nicht so ohne weiteres möglich ist, entsteht eine Form des Bösen, die wir in seiner noch weiter gesteigerten Form Bosheit nennen können. (L. Ragaz)

Die nächste Frucht ist der Geltungsdrang:

Jetzt, da der Mensch vor der Unendlichkeit – der verlorenen –, arm geworden ist, versucht er sich im Endlichen zu behaupten: mit Ehrgeiz und dem Willen zur Herrschaft mit Unterwerfung und Vergewaltigung der Dinge wie der Menschen. Dieser Geltungstrieb, dieser Ur-Hochmut, liegt vielfach der Technik zugrunde, die den Menschen zum Gott machen oder ihn zumindest ersetzen soll. Das kann sie aber nicht, und weil der Mensch ohne Gott die Unendlichkeit nicht haben kann, will er in dieser entsetzlichen Frustration die Schöpfung wenigstens ausbeuten oder, wenn das auch nicht geht, zerstören. Die Technik – als falsche Gottesmacht – wird zum Werkzeug dieser Weltzerstörung. (L. Ragaz)

Die nächste Frucht ist die Selbstsucht:

Diese ist nicht als Ursache des Falles zu verstehen, sondern gleichsam als seine zweite Wirkung; die erste wäre der Neid auf Gott.

Das Selbst des Menschen stammt aus Gott, dem es heilig ist. Es ist durch Gottes heiliges Recht unendlich reich gemacht und damit auch gestillt, jedoch auch durch das gleiche Recht im Mitmenschen in Grenzen und Schranken gehalten. Doch die Gier macht davor keinen Halt und so rafft das Selbst die Absolutheit Gottes an sich. Es entsteht jene Krankheit des Selbst, die wir Selbstsucht nennen, die keine Grenze und Schranke mehr anerkennt. (L. Ragaz)

Erscheinungsformen der Selbstsucht:

Als weitere Frucht entsteht das Dämonische:

Das Fehlen Gottes ist der gewaltige Tatbestand, aus dem das Reich des Bösen sich entwickelt. Es tritt Gott als Gegenreich entgegen und damit beginnt ein schier unendlicher Kampf und unendliche Mühsal.

In der rechten Verbindung mit Gott geht das Gute spielend leicht, es ist selbstverständlich, es ist Freude; aber in dem Maße, als die Entfernung von Gott stattfindet, wird es schwer und schwerer, wird es Mühsal und Not. Und wie im Leben des einzelnen Menschen, wird der Kampf mit den riesigen Mächten des Bösen im Leben der Gesellschaft ein Ringen voll unendlicher Anspannung aller Kräfte des Guten, die auch in einer gefallenen Welt geblieben oder ihr aus Gott neu geschenkt sind. (L. Ragaz)

Im Verlust Gottes waltet ein dämonisches Element. Es entstehen jene 'Mächte' und 'Gewalten' und 'Herrschaften' von denen Paulus redet. Sie erklären sich durch die Mitgift aus dem Absoluten.

Kol. 1, 16: Denn in ihm ist alles erschaffen worden, was im Himmel und was auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten: Alles ist durch ihn und für ihn geschaffen.

Eph. 1, 21: Hoch über jedes Fürstentum und jede Gewalt, Macht und Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird, nicht allein in dieser Weltzeit, sondern auch in der zukünftigen.

Wenn dieses Absolute sich aus seinem echten Zusammenhang losreißt, dann nuss es dämonisch werden. Denn es bleibt im Absoluten – nur auf falsche Weise; denn es ist seiner Natur nach auf die Unendlichkeit gerichtet, nur auf eine falsche Unendlichkeit. Es hat keine Grenze am heiligen Gottesrecht. Weil es aber keine Stillung findet, muss es böse werden; es muss Feindschaft werden, Hass, Vergewaltigung; es muss Bosheit werden – bis ins Unendliche hinein: zum Hochmut Luzifers und zur Zerstörungswut Satans. Und es muss – dieser wichtige Zug sei nun hinzugefügt – verführen. Denn es kann nicht allein sein ... hält in seiner falschen Unendlichkeit die Einsamkeit nicht aus. Gott ruht in seiner Wahrheit und Seligkeit und kann allein sein. (L. Ragaz)

Aus jedem Stück des Absoluten, das aus seinem echten Zusammenhang gerissen wird, entsteht zwangsläufig ein Dämonisches – als persönliche Geistesmacht in allerlei Abstufungen.

Es ist Geist, weil: Es ist auf dem Weg des Abfalls befindlich, wo es doch aus Gott stammt.

Es ist ein Reich, weil: Es ist nicht alleine; so muss es auch Herrschaft haben und zuletzt einen Herrscher.

Als Frucht entsteht Verunreinigung:

Überall schleicht sie sich ein: als selbstsüchtiges Gelten-Wollen, als Verlangen nach Besitz, Ehre, Herrschaft, Weib und Mann:

Dein Verlangen wird auf deinen Mann gerichtet sein, er aber soll über dich herrschen! (1. Mo. 3, 16).

Das Bedürfnis nach dem Feigenblatt, dem Symbol aller konventionellen Lüge und Heuchelei, stellt sich ein. Im Paradies noch ist die Seele vor Gott und dem andern in ihrer Nacktheit unschuldig; sie lässt sich so sehen, wie sie ist. (L. Ragaz)

Als ein weiteres Element ist zugleich die Lüge geboren:

Denn die Wahrheit, die absolute Wahrheit, stammt aus Gott. Aber die von Gott gelöst Wahrheit verfällt in relative Wahrheit. Alles, was von Gott weicht, verfällt der Lüge. Darum nennt Jesus den 'Fürst dieser Welt' den 'Vater der Lüge'. (siehe Joh. 8, 44)

Lug und Trug ist die Leidenschaft der Gier und all ihre Werke. Das Sich-Schämen in der Nacktheit wird verdeckt mit der Verhüllung der Wahrheit durch Kleider aller Art. (L. Ragaz)

Mit der Wahrheit geht die Freiheit verloren:

Die von Gott stammende echte Freiheit wird in der Auflehnung gegen Gott zur Frechheit. Der Verlust der Ehrfurcht ist das Siegel der Gottlosigkeit.

Eine weitere Frucht ist der Kampf mit der Natur:

Der Mensch muss sich abplagen, um sein Leben zu erhalten:

Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen. (1. Mo. 3, 19)

Der Acker steht unter der Herrschaft der Sorge, welche eine harte Herrin ist, die mit Unfruchtbarkeit regiert.

Dornen und Disteln soll er dir tragen. (1. Mo. 3, 18)

Bis zum letzten Wort der Unfruchtbarkeit, dem Tod.

Bis du wieder zurückkehrst zum Erdboden; denn von ihm bist du genommen. Denn du bist Staub, und zum Staub wirst du wieder zurückkehren! (1. Mo. 3, 19)

Wo Gott ist, da ist das Leben, wo Gott nicht ist, da ist der Tod. Aber der Tod soll nicht sein, er ist keine Schöpfung sondern eine Folge.

Röm. 6, 23: Denn der Lohn der Sünde ist der Tod.

Darum gibt es eine Erlösung, einen Sieg über den Tod: in der Auferstehung.

Es entsteht aus dem Kampf das Weh, das Seufzen der Kreatur:

Röm. 8, 19-23: Denn die gespannte Erwartung der Schöpfung sehnt die Offenbarung der Söhne Gottes herbei. Die Schöpfung ist nämlich der Vergänglichkeit unterworfen, nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung hin, dass auch die Schöpfung selbst befreit werden soll von der Knechtschaft der Sterblichkeit zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung mitseufzt und mit in Wehen liegt bis jetzt; und nicht nur sie, sondern auch wir selbst, die wir die Erstlingsgabe des Geistes haben, auch wir erwarten seufzend die Sohnesstellung, die Erlösung unseres Leibes.

Und es entsteht der Krieg:

Die Vereinigung aller bösen Triebe und Mächte zerreißt die Schöpfung. (L. Ragaz)

Und es entsteht der Mord, der Brudermord:

Der Krieg ist nur die Kolossalform des Mordes. Es ist der Durst nach Blut, der Hunger und Durst des Bösen nach dem Leben, deren Träger und Symbol das Blut ist. "Das Leben alles Fleisches ist sein Blut."(3. Mo. 17, 14) Es ist der Durst des Moloch, des falschen Absoluten. (L. Ragaz)

Kain, der Ackerbauer, und Abel, der Hirte, repräsentieren zwei Klassen, die in Feindschaft zueinander geraten, weil sie verschieden sind und jede Anspruch darauf macht, das Ganze zu sein.

Ohne Gott ist der Fremde ein Feind.

Schon früh tritt die Religion als Ursache von Streit und Mord in Erscheinung. (Auch die Ideologie ist eine Art Religion.)

Wer mit Gott in der rechten Verbindung steht, der hat an ihm die Wahrheit. Er gönnt diese aber auch Andern. Er überlässt es Gott, sie den Andern zu geben. Er gibt sie ihnen selbst, soweit er kann. Anders die Religion. Sie ist ein Menschengebilde. Sie tritt damit aus der umfassenden Absolutheit Gottes heraus und macht selbst Anspruch auf die Absolutheit, die aber eine falsche Absolutheit ist. Es entstehen aus der einen Wahrheit Gottes viele Religionen. Jede beansprucht, die Wahrheit zu haben, die ganze Wahrheit, die absolute Wahrheit. Irgendwie lebt dieser Anspruch in jeder Religion. Damit aber geraten sie in Gegensatz und Feindschaft. (L. Ragaz)

Das Verlangen "Ihr werdet sein wie Gott" (1. Mo. 3, 5) führt zum Abfall von Gott: auf der einen Seite zur Nachahmung Gottes, auf der anderen Seite zum Kampf gegen Gott in einem Gegenreich.