Die Sache Christi

Die Natur

Sie ist eine Gegebenheit – wie etwa die Fähigkeit zu denken, zu fühlen, zu wollen – nicht nur als bloße materielle Welt, sondern auch als 'geistige'.
Sie ist Schöpfung, Kreatur, aus Gottes Hand hervorgegangen, seinem Wort entsprungen – aus dem 'Nichts' (ex nihilo).

Ps. 104, 30: Sendest du deinen Odem aus, so werden sie erschaffen, und du erneuerst die Gestalt der Erde.

D.h.: Sie entspringt weiter – und stets neu – aus seinem Wort und steht unter seinem Wort.

Aber sie vergeht und wandelt sich auch.

Ps. 102, 26+27: Du hast vorzeiten die Erde gegründet, und die Himmel sind das Werk deiner Hände. Sie werden vergehen, du aber bleibst; sie alle werden wie ein Kleid zerfallen, wie ein Gewand wirst du sie wechseln, und sie werden verschwinden. (siehe auch 2. Pet. 3, 10-13)

Sie ist, wie durch die Zeit, so auch durch den Raum begrenzt. Und sie ist konkret, vom Größten bis in Kleinste. Jedes Geschöpf ist mit dem Stempel der Eigenart und des Eigenwuches versehen. (L. Ragaz)

Durch den Menschen bekommt jedes seinen eigenen Namen: Und Gott der HERR bildete aus dem Erdboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und brachte sie zu dem Menschen, um zu sehen, wie er sie nennen würde, und damit jedes lebendige Wesen den Namen trage, den der Mensch ihm gebe. (1. Mo. 2, 19)

Damit ist die Natur eine geordnete und ihr Gesamtsinn drückt sich in einer Stufen (oder Arten-)folge aus.

Sie ist eine teleologische, d.h. eine die von ihrem Ur-Sinn, vom 'Logos' her, durchleuchtet und getragen ist, der aus Gott strömt.

Joh. 1, 1-4: Im Anfang war das Wort ('logos'), und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch dasselbe entstanden; und ohne dasselbe ist auch nicht eines entstanden, was entstanden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

Von ihm und seiner Schöpfung stammt auch das Leben.

Es ist Gottes Ur-Geheimnis und damit ein Ur-Datum aller Wirklichkeit. Wo Leben ist, da ist auch Seele ... Die Natur der Bibel ist eine beseelte Natur. Die Seele kommt von Gott. Sie ist Gottes Mitgift ... Die Menschenseele aber ist auf besondere Weise Gottes Tochter. Durch sie wird der Mensch zum Ebenbild, zum Sohn.
Der Sinn des Lebens aber ist gut. Alle Schöpfung ist gut, ist heilig, ist rein ... Sie ist Vorratskammer, aber auch Werkzeug und Material und Ur-Bild alles Werkzeugs. Sie soll dem Menschen untertan werden, aber freilich nur von Gott aus, im Sinne des Paradieses. (L. Ragaz)

Im Heidentum:

Da ist die Natur nicht Geschöpf sondern Schöpferin, die Mutter aller Dinge, aus der alles stammt. Sie ist das Allbestimmende, quasi Gott.

Sie verschlingt wie die Zeit so auch den Raum. Sie verzehrt alle ihre eigenen Gebilde, indem sie dieselben in ihre Einheit zurücknimmt ... Es ist im Grund immer wieder das Chaos, das alles verschlingt, was an Schöpfung, aus dem echten Absoluten her, aus ihm aufsteigen will. Auch das sittliche Chaos. Denn in diesem unterschiedslosen Einen geht mit dem Unterschied von Wahr und Falsch auch der von Gut und Böse unter, damit aber auch der Kampf, aus dem allein eine Geschichte wird. Das unterschiedslose Eine wird zum Tod und das letzte Wort ist der Pessimismus und Nihilismus. (L. Ragaz)

Der Naturalismus:

Diesem entspringt ein bestimmtes Denken, eine Philosophie, eine Weltanschauung und eine Weltgefühl des Allmechanismus:

Aber auch diese können zerfallen, wie wir nun wissen, in ihre Elementarteilchen, die jedoch ihrerseits gegenüber den Gesetzen der Natur seltsame Eigenheiten und Eigenrechte zutage legen.

Das Weltgefühl des Monismus:

Es ist auf die Einheit gericht und übersieht ihr zuliebe den Gegensatz. Es vermeidet den Kampf. Es ist ästhetischer Art. Es will genießen. Es schlingt die ganze Welt in dieses Element hinein. (L. Ragaz)

Das Ästhetentum:

Hier wird

Das Griechentum:

Es kennt den Kosmos, aber nicht die Schöpfung. Aber der Kosmos ist begrenzt. Jedoch mehr durch eine Ordnung, als durch einen Ordner, mehr durch die unpersönliche Dike (Tochter des Zeus in der Griechischen Mythologie), als durch das Recht des lebendigen und heiligen Gottes. Darum schützt jener Kosmos nicht vor dem Fatum. Darum nicht vor dem Nichts. Darum heiligt er nicht absolut den Einzelnen und seine Existenz. Darum duldet er Sklaverei und Prostitution und kennt kein Reich der Gerechtigkeit als absolutes Ziel. (L. Ragaz)

Mit dem Grundelement der Schöpfung tritt die SACHE CHRISTI der Welt gegenüber als

Leonhard Ragaz:

Es sei aber noch einmal betont, dass wir es in dem Gegensatz der beiden Welten nicht mit zweien durch Zeit und Ort getrennten, oder durch ein vergangenes Ereignis geschaffenen Gebilden zu tun haben, sondern mit einem sich stets neu bildenen Gegensatz. Und zwar so, dass die eine dieser Welten aus der anderen entsteht: durch Sinken, Abgleiten, Abfall. Solange der Eine, heilige und lebendige Gott festgehalten wird, ist die Welt durch die Verbindung mit ihm unschuldig, heilig und rein, durch sein heiliges Recht geprägt, geordnet, sinnvoll, Vieles und Eines auf die rechte Art verbunden, Wahr und Falsch, Gut und Böse, Schön und Hässlich, Licht und Finsternis geschieden – durch den Gehorsam des Paradieses – sobald er losgelassen wird, sinkt sie von Stufe zu Stufe abwärts in Gier und Streit bis zur Hölle. Sobald das wahre Absolute verlassen wird, stellt das falsche Absolute mit seiner falschen Einheit und falschen Vielheit, seiner falschen Ruhe und Beweglichkeit, seiner falschen Unendlichkeit und falschen Endlichkeit sich ein; es wird unheilig, unrein, schuldig, chaotisch, sinnlos, böse; verfällt dem 'Fürsten dieser Welt' und seinen 'Mächten und Gewalten' – es wird dämonisch und endet im Weltmord und Weltbrand.