Die Sache Christi

Der Mensch

Er entsteht aus der bereits vorhandenen Natur und der Einhauchung des Geistes Gottes als 'Krone der Schöpfung'.

Der Mensch ist Gottes Schöpfung und bleibt sie auch. Selbst als gefallener Mensch wird er nicht zum 'Tier'. Und erst recht nicht wird er zum Teufel, selbst wenn sich dieser seiner bemächtigt haben mag. Er bleibt immer noch Mensch und das verlangt eine heilige Scheu, einen tiefen Respekt, im tiefsten Sinne eine Achtung vor dem Gott, der ihn geschaffen hat.

Gleiches gilt natürlich auch vom ungeborenen Menschen.

Er ist außer Gott, aber mit Gott. Er ist die Ur-Tatsache schlechthin. Er ist Schöpfung und das bedeutet Gestaltung, Gestalt und Ordnung. Er tritt aus der Natur hervor, aus dem 'tohu wa bohu', dem gestaltlosen Chaos.

Da bildete Gott der HERR den Menschen, Staub von der Erde, und blies den Odem des Lebens in seine Nase, und so wurde der Mensch eine lebendige Seele. (1. Mo. 2, 7)

Er wird als lebendige Seele von Gott versehen mit Eigenheit, Eigenart und Eigenrecht.

... er wird erst hier etwas Großes. Er wird es dadurch, dass dieses heilige Gottesrecht ihn prägt. Dadurch bekommt er erst Individualität, wie alle Dinge, aber mehr als alle Dinge. Denn er wird zum höchsten Abbild der höchsten Individualität: Gottes selbst. Er wird Ebenbild Gottes ... nicht nur zur Individualität, sondern auch zur Persönlichkeit. Das bedeutet: Er erhält die göttliche Mitgift eines unbedingten Wertes, eines Wertes, für den es ... kein Äquivalent, d.h. keinen Gegenwert gibt. (L. Ragaz)

Immanuel Kant

Immanuel Kant hat gerade diese Wahrheit als Fundament der ganzen sittlichen Welt und damit der wahrhaft geistigen Welt am klarsten verstanden.

Als Person lebt der Mensch im Gehorsam gegen den Schöpfer und Vater, aber nicht in einem Gehorsam der Angst, nicht in einem Gehorsam des Sklaven, sondern im Respekt eines freien Sohnes.

Diese Ehrfurcht, in welcher er von Gott sein heiliges Recht bekommt, sein Eigenrecht und seine Eigenart, sein Persönlichkeit, seinen unbedingten Wert, welcher der Ur-Wert aller menschlichen Werte ist, muss er auch gegen den Andern hegen. Er muss ... zu den anderen Menschen in Verhältnis der Achtung vor dem unbedingten Wert in ihnen stehen. Und zwar zu allen. (L. Ragaz)

Auch das hat Immanuel Kant am klarsten erkannt.

Diese Unbedingtheit dieses Wertes:

Hier erst wird Mensch-Sein erreicht, hier erst wird der Mensch (durch Gott!) zum Menschen – und aus ihm zur Menschheit, der einen Menschheit.

Anders der Naturalismus:

Der hebt den Menschen im Grunde genommen auf. Denn hier ist dieser "im Gesellschaftlichen nicht Selbstzweck, er ist das Material für das Ganze, das Volk, die Rasse, den Staat. Er hat kein Recht als Individualität oder gar Persönlichkeit." (L. Ragaz)

Der Naturalismus "führt zur Entwertung, Entheiligung, Ausnutzung, Ausbeutung, Vergewaltigung und Schändung des Menschen wie der Natur, zum Genuss und zur Zerstörung der Schöpfung ... der Mensch aber als Mensch, der Mensch, der vor Gott steht, ist in dem Gehorsam, der zur Ehrfurcht wird, Gottes Mitarbeiter und Gottes Mitherrscher." (L. Ragaz)

Creatio continua:

Der Mensch ist nicht fertig ... Er hat eine Vorgeschichte, er hat eine Nachgeschichte ... der Mensch ist nach dem Sinne der Bibel etwas so Großes, das es Größeres nicht gibt ... Gott und Mensch gehören im Anfang, im Ursprung, im Prinzip zusammen. Wie der Mensch nicht wirklich zu denken ist ohne Gott, so ist Gott nicht wirklich zu denken ohne den Menschen. Der Mensch ist seinem Wesen und Sinn nach der Mittler zwischen Gott und Welt. (L. Ragaz)

Im Heidentum:

Hier wird der Menschen vom statischen Gesichtspunkt aus als fertig betrachtet, im Sinne eines deterministischen Fatums. Er ist fatalerweise gut oder böse. Er ist, was er ist und kann halt nicht anders. Und er soll auch nicht anders können. In diesem Sinne wird er als bereits 'fertig' betrachtet.

Das Heidentum ist deterministisch, d.h. bestimmend, eindeutig festlegend, unabänderbar – auch das moderne Heidentum ist so.

Und leider ist etwas von diesem statischen und deterministischen Denken in das christliche Dogma vom Menschen eingedrungen: als das, was man Erbsünde nennt.

Aber dieser Auffassung widerspricht der Geiste der Bibel. Diese kennt nirgends ein Fatum. Und sie kennt irgends eine bloße Vergangenheit; sie kennt nur die Entscheidung und die lebendige Gegenwart. Denn sie kennt nur den lebendigen Gott ... Wie Adam nicht bloß geschaffen worden ist, sondern auch geschaffen wird, so ist er nicht bloß einmal vor Gott gestellt worden, sondern wird es immer wieder. Und er ist damit immer wieder vor die Entscheidung gestellt. Er ist nicht gut oder böse, sondern er wird gut oder böse. Wohl steht er, geschichtlich betrachtet, unter einer Belastung – und diese mag man Erbsünde nennen – aber die Freiheit seiner Entscheidung ist dadurch nicht aufgehoben – jedenfalls nicht grundsätzlich ... Er ist nicht Mensch im Sinne eines statischen Verhältnisses, er ist im gleichen Sinne nicht Gott (als Gottes Kind, Sohn, Tochter) – er wird beides nur immer wieder durch Gott, vor Gott, in Gott.(L. Ragaz)

Gut oder böse: Beides ist stets eine Möglichkeit des Menschen. Im Anfang, in seinen Ursprung, als Schöpfung Gottes ist der Mensch gut. In seinem Abfall von Gott kann er bis zum anderen Endpunkt geraten und zu einem Teufel werden.

Habe ich nicht euch Zwölf erwählt? Und doch ist einer von euch ein Teufel! (siehe Joh. 6, 70)

Als Schöpfung Gottes ist der Mensch gut. (siehe 1. Mo. 1, 31) Als von Gott Abgefallener und weiter Abfallender wird er böse. Er besitzt zwar als Schöpfung Gottes die Erinnerung an das Paradies, aber als Abgefallener fühlt er sich aus dem Paradiese vertrieben. In diesem Sinne sind Schöpfung und Fall die beiden Momente seines 'Wesens'. Da aber mit dem Fall zunehmend die heilige Scheu vor Gott, dem Menschen und der Natur weicht – und der Hunger bleibt! – kommt die Gier, welche wächst und wächst.

Es wächst der Trotz und der Hochmut; sie wollen das Paradies besitzen oder zerstören, sie wollen die verlorene Gottheit an sich reißen, die ihre Mitgift war und als Entartung und Umkehrung es bleibt. Am Ende steht die Hölle – als vollendeter Abfall von Gott und dem Menschen. (L. Ragaz)

Ein neue Schöpfung:

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen; siehe, es ist alles neu geworden! (siehe 2. Kor. 5, 17)

Auch in diesem Sinne ist der Mensch nicht fertig, er ist eine fortdauernde Schöpfung Gottes, in diesem Sinne auch eine Entwicklung. Der Mensch ist der Änderung fähig und sein Weg ist nach aufwärts und abwärts nur durch Gott und den Teufel begrenzt.

Der Mensch ist nach der Auffassung der Bibel als Mensch groß genug für das Größte und Höchste, was von ihm ausgesagt werden kann ... Nicht ist der Mensch durch die Natur bestimmt, sondern die Natur durch den Menschen ... Er ist ihr Regent, aber auch ihr Schützer. (L. Ragaz)

Unser volles Menschsein erreichen wir, wenn wir mehr als nur menschlich sind, wenn wir Gott erlauben, uns über uns selbst hinaus zu führen, damit wir zu unserem eigentlicheren Sein gelangen. (Papst Franziskus in Evangelii Gaudium, 8)

Die untermenschliche Schöpfung:

Wollen wir für den Moment die betreffenden Dinge so nennen, wie z.B.:

Alle solchen Dinge sind von Gott her auf den Menschen hin geschaffen und für ihn im Sinne der Nützlichkeit angelegt. Der Mensch lebt mit ihnen und von ihnen. Dieser Teil der Schöpfung fällt aber auch mit ihm – dann tritt das Dämonische ein und damit Zerstörung, Tod, und Kampf, das Dunkel und das Rätsel. Aber sie wird auch durch ihn erlöst.

Die gespannte Erwartung der Schöpfung sehnt die Offenbarung der Söhne Gottes herbei. Die Schöpfung ist nämlich der Vergänglichkeit unterworfen, nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung hin, dass auch die Schöpfung selbst befreit werden soll von der Knechtschaft der Sterblichkeit zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. (Röm. 8, 19-21)

Die übermenschliche Schöpfung:

Dies sind in erster Linie die Heerscharen von Engel, welche dem Willen Gottes zur Verfügung stehen als Diener und 'Söhne Gottes' und als 'starke Helden'. Sie sind es, die seine Kriege führen und auch denjenigen Menschen helfen, die das tun. Dem gegenüber waltet in der Natur eher das Unheimliche, das Dämonische als:

Leonhard Ragaz:

Die Bibel kennt auch dieses Reich der Dämonen, das die Schöpfung verstört, Unheil mannigfaltiger Art erzeugend. Der Satan ist vor allem der Zerstörer. (vgl. 2. Mo. 12, 23; Hiob 2, 5; 1. Kor. 10, 10) Diese Zerstörung der Schöpfung tut sich besonders im Neuen Testament stark in Gestalt der Krankheit kund. Der Tod ist ihr Gipfel. Aber die auf solche Weise zerstörte und dem Verderben unterworfene Natur harrt der Erlösung durch Gott, der auch 'den Tod verschlingen' wird für immer. (L. Ragaz)

Blumhardt, der Sohn:

Die Hoffnung der Auferstehung gehört zum Trachten nach dem Reich Gottes und die Aufhebung des Todes ist ein unveräußerlicher Bestandteil eben des Reiches Gottes ... Alle Worte und Werke Gottes in Christus (...) atmen Aufhebung des Todes.

Er wird den Tod auf ewig verschlingen. Und GOTT, der Herr, wird die Tränen abwischen von jedem Angesicht und die Schmach seines Volkes hinwegnehmen von der ganzen Erde. Ja, der HERR hat es gesprochen. (siehe Jes. 25, 8)

Nun aber ist Christus aus den Toten auferweckt; er ist der Erstling der Entschlafenen geworden. Denn weil der Tod durch einen Menschen kam, so kommt auch die Auferstehung der Toten durch einen Menschen; denn gleichwie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden. Ein jeder aber in seiner Ordnung: Als Erstling Christus; danach die, welche Christus angehören, bei seiner Wiederkunft; danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, wenn er jede Herrschaft, Gewalt und Macht beseitigt hat. Denn er muss herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat. Als letzter Feind wird der Tod beseitigt. (1. Kor. 15, 20-25)

Die Ordnung der Auferstehung ist diese:
(Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken.)

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Und ich sah die Toten, Kleine und Große, vor Gott stehen, und es wurden Bücher geöffnet, und ein anderes Buch wurde geöffnet, das ist das Buch des Lebens; und die Toten wurden gerichtet gemäß ihren Werken, entsprechend dem, was in den Büchern geschrieben stand. Und das Meer gab die Toten heraus, die in ihm waren, und der Tod und das Totenreich gaben die Toten heraus, die in ihnen waren; und sie wurden gerichtet, ein jeder nach seinen Werken. Und der Tod und das Totenreich wurden in den Feuersee geworfen. Das ist der zweite Tod. (off. 20, 12-14)

Dann geht es so weiter:

Und ich, Johannes, sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabsteigen, zubereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut. Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Himmel sagen: Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen; und sie werden seine Völker sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott. Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, weder Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. (Off. 21, 2-4)

Zum Ende hin bzw. zum neuen Anfang kommt Gott in seine Wohnung zu den Menschen auf Erden – nicht wir Menschen zum Wohnen zu Gott in den Himmel.