Die Sache Christi

Gesellschaftliche Veränderungen

Der Mensch als Bruder (siehe Mat. 25, 40) ist das Fundament der Solidarität.

Die Weltordnung, welche Ungerechtigkeit, Gewalt, Ausbeutung, Armut und Not von der Religion sanktionieren und befestigen lässt, wird aufgeweicht und überwunden. Sie wird als Widerspruch zur Ordnung Gottes entlarvt, als Abfall, als Sünde.

Dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit wird der Horizont geöffnet:

Der Sklave wird von einer Sache zum Menschen und zum Bruder und in der Gemeinde Christi dem Freien vollkommen gleichgestellt.

Die Frau wird als dem Manne ebenbürtig betrachtet und behandelt und auch die Unterschiede von Volkstum und Rasse sind aufgehoben.

Gal. 3, 28: Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Knecht noch Freier, da ist weder Mann noch Frau; denn ihr seid alle einer in Christus Jesus.

Kol. 3, 11: Wo nicht Grieche noch Jude ist, weder Beschneidung noch Unbeschnittenheit, noch Barbar, Skythe, Knecht, Freier – sondern alles und in allen Christus.

Arbeit und Lohn:

Sie werden sehr geschätzt, mehr als Gut und Geld.

Besitz und Eigentum:

Die ganze Erde ist des Herrn und ihre Fülle. (1. Kor. 10, 26) Das ist das grundlegende Verständnis für alle Eigentumsverhältnisse.

Besitz ist primär keine Privatsache, sondern gehört Gott und dem Bruder.

Die Gemeinde Christi weiß sich auch im Besitz füreinander verantwortlich für die Sicherung des Lebensunterhaltes und der Freiheit von Not. (L. Ragaz)

Die Losung lautet:

Dem, der arbeiten kann, Arbeit,
dem, der nicht arbeiten kann Barmherzigkeit.

Schon in der Gestalt des Zehnten kommt diese Solidarität der Zusammengehörigkeit in Gott zum Ausdruck: Ein Teil des Besitzes wird speziell denen zugewendet, die keinen Besitz haben.

Und der HERR sprach zu Aaron: In ihrem Land sollst du nichts erben, auch kein Teil unter ihnen haben; denn ich bin dein Teil und dein Erbe inmitten der Kinder Israels! Und siehe, so habe ich den Söhnen Levis alle Zehnten in Israel zum Erbteil gegeben für ihren Dienst, den sie tun, den Dienst an der Stiftshütte. Darum sollen künftig die Kinder Israels nicht zu der Stiftshütte nahen, damit sie nicht Sünde auf sich laden und sterben; sondern die Leviten sollen den Dienst an der Stiftshütte verrichten, und sie sollen ihre Schuld tragen; das soll eine ewige Ordnung für eure Nachkommen sein; aber sie sollen kein Erbteil besitzen unter den Kindern Israels. Denn den Zehnten der Kinder Israels, den sie dem HERRN als Hebopfer entrichten, habe ich den Leviten als Erbteil gegeben. Darum habe ich zu ihnen gesagt, dass sie kein Erbteil unter den Kindern Israels besitzen sollen. (4. Mo. 18, 20-24)

Im Mittelalter findet sich diese Solidarität in der Gestalt von Genossenschaften und Zünften.

Das Prinzip lautet:

Wirtschaften und leben auf der Grundlage von Solidarität in gegenseitiger Bindung und Verantwortung.

Die Bindung der Gemeinschaft soll der Freiheit dienen und sie zugleich auch begrenzen. Wer in eine Stadt geht, um dort Handwerk oder Handel zu treiben, muss zu einer Zunft gehören – aber niemand muss in jene Stadt gehen.

"Die Genossenschaft mit ihrer Freiheit in der Gemeinschaft und der Gemeinschaft in der Freiheit ist die einzige entsprechende, aber auch völlig entsprechende, soziologische Gemeinschaftsform der SACHE CHRISTI. Sie, nicht der Staat!" (L. Ragaz)

Auch Thomas von Aquin stellt die Genossenschaft mit der Regelung von Besitz als Norm des Christentums dar.

Selbst im Feudalismus (feudum = Lehen, Leihgabe von Kaiser oder Papst) steckt diese Denkweise:

Besitz ist nicht absolut, sondern schließt Bindung und Verantwortung mit ein. Es ist Amt und Pflicht, vor allem der Fürsorge des Feudalherren gegenüber allen, die das Feudalsystem umschließt. (L. Ragaz)

Zinsen:

Sie sind schlicht und einfach verboten.

Wenn dein Bruder verarmt neben dir und sich nicht mehr halten kann, so sollst du ihm Hilfe leisten, er sei ein Fremdling oder Gast, damit er bei dir leben kann. Du sollst keinen Zins noch Wucher von ihm nehmen, sondern sollst dich fürchten vor deinem Gott, damit dein Bruder neben dir leben kann. Du sollst ihm dein Geld nicht auf Zins geben noch deine Nahrungsmittel um einen Wucherpreis. (siehe 3. Mo. 25, 35-37)

Der im Geld verkörperte Besitz stellt keinen selbständigen Wert dar, sondern soll der Gemeinschaft dienen.

Ein harter Schlag für den Kapitalismus, den Gegengott des Evangeliums, welcher Mammon genannt wird!

Der Marxismus:

Dieser ist im letzten Grund ein säkularisierter Messianismus, welcher als Botschaft der Weltumwälzung hin zur Gerechtigkeit, die Schwachen und Geringen – das Proletariat – zu einer neuen Erde aufruft.