Die Sache Christi

Die Gemeinde Christi

Sie ist als Auswirkung und Fortsetzung der Auferstehung Christi die Trägerin des Reiches Gottes, welches sein Reich der Gerechtigkeit ist. Sie soll die SACHE CHRISTI weiterführen und bekommt dafür die Vollmacht, Wunder zu tun.

Joh. 14, 12: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, weil ich zu meinem Vater gehe.

Damit ist die Gemeinde ein ganz anderes und verschieden geartetes Reich, das dem Imperium Romanun, welches ein Rechtsstaat ist, entgegentritt.

Die Gemeinde ist eine Überraschung, ein Wunder, eine neue Schöpfung. Wir finden weder vorher noch nachher in der Geschichte etwas, das ihr gliche. (L. Ragaz)

Apg. 2, 37-41: Als sie aber das hörten, drang es ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, ihr Männer und Brüder? Da sprach Petrus zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden; so werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Denn euch gilt die Verheißung und euren Kindern und allen, die ferne sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird. Und noch mit vielen anderen Worten gab er Zeugnis und ermahnte und sprach: Lasst euch retten aus diesem verkehrten Geschlecht! Diejenigen, die nun bereitwillig sein Wort annahmen, ließen sich taufen, und es wurden an jenem Tag etwa 3000 Seelen hinzugetan.

Mit dieser Hinzugesellung von 3000 Leuten zu den Aposteln und Jüngern entsteht die Gemeinde als dauerhaftes Organ der SACHE CHRISTI, als höchste Gemeinschaft von Menschen, als Gemeinschaft in Gott.

Die gemeinsame Basis:

Eine zutiefst demokratische Gemeinschaft:

Denn der Geist wirkt in ihr demokratisch, weil er als Gabe allen gilt. Die Verheißung, welche bei Moses noch Sehnsucht ist (siehe 4. Mo. 11, 29) und bei Jeremia (K. 31, 31 ff) zur klaren Ansage wird, erfüllt sich an Pfingsten in der von Joel prophezeiten Gestalt:

Dies ist es, was durch den Propheten Joel (K. 3, 1-4) gesagt worden ist: 'Und es wird geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da werde ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, und eure jungen Männer werden Gesichte sehen, und eure Ältesten werden Träume haben; ja, auch über meine Knechte und über meine Mägde werde ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie werden weissagen. Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf; die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln und der Mond in Blut, ehe der große und herrliche Tag des Herrn kommt. Und es soll geschehen: Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird errettet werden'. (Apg. 2, 16-21)

Die Sache Einzelner ist durch die Gabe des Geistes zur Sache aller geworden. Damit steht die Unmittelbarkeit der Beziehung zu Gott jedem Menschen offen. Darin ist aber nun die Demokratie aufs Tiefste gegründet.

Das vornehmliche Zeichen dieser Emanzipation durch die Gabe des Geistes ist die freie Rede in Form des Sprachengebetes und der Weissagung, was ein Grundrecht echtester und tiefster Demokratie ist.

Apg. 2, 10: Wir hören sie in unseren Sprachen die großen Taten Gottes verkünden!

Der Geist gibt aber noch weitere Gnaden- und Geistesgaben (siehe Röm. 12, 3-8 und 1. Kor. 12,4-11) zur Fortsetzung der Taten, die Jesus in seiner Vollmacht als Zeichen der angebrochenen Herrschaft des Reiches Gottes und seiner Gerechtigkeit getan hat. Neben der Vollmacht, Sünden zu vergeben, und wirksam zu beten, werden nun auch diese Anteil der Gemeinde und damit Vieler. Die Demokratisierung geht weiter. Einfache und ungelernte Männer und Frauen können durch die Kraft des Geistes jetzt Dinge tun, die sie vorher nicht tun konnten.

Apg. 4, 13: Als sie aber die Freimütigkeit von Petrus und Johannes sahen und erfuhren, dass sie ungelehrte Leute und Laien seien, verwunderten sie sich; und sie erkannten, dass sie mit Jesus gewesen waren.

Die Vollmacht, die sie durch die Ausgießung des Geistes Gottes empfangen haben, weitet sich aus auch auf die Macht über Geister, über Krankheit, Schicksal, Not und Tod.Und wenn auch die Ausgießung des Geistes über 'alles Fleisch' auf stürmisch-enthusiatische Weise geschehen ist – alle Schöpfung geht aus 'tohuwabohu' hervor und alle Revolution aus Sturm –,so bleibt dennoch, dass den Menschen Vollmacht, Furchtlosigkeit und Sieghaftigkeit zuteil geworden ist ...

... gegen Anfechtung, Not und Tod, gegen Menschenmacht und Dämonenmacht Christus und sein Reich zu vertreten und die Welt zu besiegen. Das bleibt das Wunder der Wunder. (L. Ragaz)

Aus der Gemeinde wird im Laufe der Jahrhunderte, durch das Erlöschen des Geistes und das Zurücktreten des Reiches Gottes die Kirche. In der Kirche wird die Demokratie zur 'Klerokratie' (Herrschaft des Klerus), die Inspiration weicht dem Dogma, und das allgemeine Priestertum, das zur allgemeinen Prophetie gehört (vgl. 1. Pet. 2, 9-10) wird zum Berufspriestertum einiger Weniger. Die Unmittelbarkeit des Verhältnisse zu Gott geht an die Autorität verloren. (L. Ragaz)

Aber der demokratische Grundgedanke der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit lässt sich nicht mehr umbringen – ebenso wenig wie der Geist selbst. Er geht nun neben der Kirche her und wird zur Sache der Revolutionäre, der Ketzer:

Leonhard Ragaz:

Die Gemeinde geht so als schöpferische Unruhe der Freiheit und ewige Sehnsucht nach Bruderschaft durch die Geschichte.

Eine kommunistische Gemeinschaft:

Es ist eine demokratische, ja kommunistische Gemeinschaft. Diese verbindet Elemente, die sonst nie sich zu wirklicher Gemeinschaft gefunden haben: Reiche und Arme, Herren und Sklaven, Gerechte und Sünder, Männer und Frauen, Juden, Griechen und Barbaren. Es gibt unter ihnen keinen Unterschied des Wertes. Sie sind vollkomen gleichberechtigt und gleichwürdig, vor Gott und voreinander selbst. (L. Ragaz)

Gal. 3, 26-28: Denn ihr alle seid durch den Glauben Söhne Gottes in Christus Jesus; denn ihr alle, die ihr in Christus hinein getauft seid, ihr habt Christus angezogen. Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Knecht noch Freier, da ist weder Mann noch Frau; denn ihr seid alle einer in Christus Jesus.

Kol. 3, 11: Wo nicht Grieche noch Jude ist, weder Beschneidung noch Unbeschnittenheit, noch Barbar, Skythe, Knecht, Freier – sondern alles und in allen Christus.

Hier ist der Ursprung der Parole 'Liberté, Égalité, Fraternité' (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit).

Eine Gütergemeinschaft:

Das ist wohl die schönste Blüte und Frucht der neu entstanden Gemeinde Christi: die Aufhebung der ungeheueren Macht, welche Besitz und Eigentum heißt.

Apg. 2, 42-47: Und sie blieben beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und in den Gebeten. Es kam aber Furcht über alle Seelen, und viele Wunder und Zeichen geschahen durch die Apostel. Alle Gläubigen waren aber beisammen und hatten alle Dinge gemeinsam; sie verkauften die Güter und Besitztümer und verteilten sie unter alle, je nachdem einer bedürftig war. Und jeden Tag waren sie beständig und einmütig im Tempel und brachen das Brot in den Häusern, nahmen die Speise mit Frohlocken und in Einfalt des Herzens; sie lobten Gott und waren angesehen bei dem ganzen Volk. Der Herr aber tat täglich die zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.

Apg. 4, 32-35: Und die Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele; und auch nicht einer sagte, dass etwas von seinen Gütern sein Eigen sei, sondern alle Dinge waren ihnen gemeinsam. Und mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war auf ihnen allen. Es litt auch niemand unter ihnen Mangel; denn die, welche Besitzer von Äckern oder Häusern waren, verkauften sie und brachten den Erlös des Verkauften und legten ihn den Aposteln zu Füßen; und man teilte jedem aus, so wie jemand bedürftig war.

Der Kommunismus ist die ursprüngliche und dem Geiste Christi am meisten angemessene Gemeinschaftsform der SACHE CHRISTI.

Leonhard Ragaz:

Die erste Gemeinde, die in allem das Vorbild aller kommenden bleibt, ist kommunistisch gewesen. Das ist eine ungeheuerliche geschichtliche Tatsche ... Jener Kommunismus der Urgemeinde Christi zog das arme und leidende Volk in solcher Masse an, dass die Mittel nicht mehr reichten. Dieser Umstand ist ein Lob, nicht ein Tadel. Als Lob betrachtet man es ja auch, wenn irgend eine heutige Organisation der Hilfe so starke Wirkung hat, dass sie vermehrte Mittel bekommen muss.

Wahrscheinlich kam daher auch die große Freimütigkeit, in welcher die Apostel die Auferstehung Christi bezeugten, begleitet von vielen Zeichen und Wundern, sowie auch deren Wirkung. Diesem Lebensstil der Gemeinde unter dem Einfluss der Lehre der Apostel – besonders gegenüber den Armen –, flog das Herz des ganzen Volkes zu.

Apg. 5,12-16: Durch die Hände der Apostel aber geschahen viele Zeichen und Wunder unter dem Volk; und sie waren alle einmütig beisammen in der Halle Salomos. Von den Übrigen aber wagte keiner sich ihnen anzuschließen; doch das Volk schätzte sie hoch; und immer mehr wurden hinzugetan, die an den Herrn glaubten, eine Menge von Männern und Frauen, sodass man die Kranken auf die Gassen hinaustrug und sie auf Betten und Bahren legte, damit, wenn Petrus käme, auch nur sein Schatten auf einen von ihnen fiele. Es kamen aber auch viele aus den umliegenden Städten in Jerusalem zusammen und brachten Kranke und von unreinen Geistern Geplagte, die alle geheilt wurden.

Im nächsten Kapitel wird berichtet, wie dieser freie Liebeskommunismus auch in die Organisation der Gemeinde einfließt.

Apg. 6, 1-7: In jenen Tagen aber, als die Zahl der Jünger wuchs, entstand ein Murren der Hellenisten gegen die Hebräer, weil ihre Witwen bei der täglichen Hilfeleistung übersehen wurden. Da beriefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht gut, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen, um bei den Tischen zu dienen. Darum, ihr Brüder, seht euch nach sieben Männern aus eurer Mitte um, die ein gutes Zeugnis haben und voll Heiligen Geistes und Weisheit sind; die wollen wir für diesen Dienst einsetzen, wir aber wollen beständig im Gebet und im Dienst des Wortes bleiben! Und das Wort gefiel der ganzen Menge, und sie erwählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia. Diese stellten sie vor die Apostel, und sie beteten und legten ihnen die Hände auf. Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger mehrte sich sehr in Jerusalem; auch eine große Zahl von Priestern wurde dem Glauben gehorsam.

Damit rückt zum ersten Mal die Sorge für sozial Ausgegrenzte als Pflicht und Verwantwortung in den Mittelpunkt des Gemeindelebens.

Die Didache (griech.: Lehre der zwölf Apostel, latein.: Doctrina duodecim apostolorum), eine frühchristliche Schrift, die von verschiedenen unbekannten Autoren wahrscheinlich in Syrien zusammengetragen und verfasst wurde, zeigt das Bild einer solidarisch verbundenen Gemeinde, geprägt vom Zusammengehörigkeitsgefühl einer großen Familie. Eine Ihrer Maximen leutete:

Dem, der arbeiten kann, Arbeit; dem, der nicht arbeiten kann, Erbarmen – das heißt brüderliche Hilfe.

Das Geben des Zehnten:

Es folgt dem bereits abgeschwächten Prinzip: Wenn schon nicht mehr der ganze Besitz den Brüdern gehört, so dann wenigstens der zehnte Teil. Dieser war dann lange Zeit als das patrimonium pauperum das 'Erbe der Armen'. Aber als das Christentum dieses später zum Eigentum der Kirche erklärte, wurde es eine Hauptform der Ausbeutung des Volkes durch die Kirche.

Ist es nicht auf eine bezeichnende Weise tragisch und bedeutungsvoll zugleich, dass gerade in der Sache des Eigentums und am Punkt des Geldes die Reaktion und Revolte gegen die SACHE CHRISTI durch das offizielle Christentum einsetzt?!

Das Zinsverbot:

Das Ur-Christentum (im Sinne von 'im Anfang' und 'im Prinzip') entnahm dieses aus der Bibel und verwirklichte es so bis ins Mittelalter hinein.

Es drückte das Prinzip aus, dass der Besitz nicht absolut ist, dass er im Grunde Allen gehört und darum zur Dienstleistung verpflichtet ist, dass er also nicht eine Notlage des Bruders ausbeuten, sondern ihm zur Hilfe kommen soll ohne Entgelt, und es drückt weiter aus, dass es nicht Geld ist, das wirtschaftliche Werte schafft, sondern die Arbeit. (L. Ragaz)

Das Mönchtum:

Im Kloster überlebt der Kommunismus Christi als kommunistische Gemeinschaft mit dem Motto: Nicht einer sagte, dass etwas von seinen Gütern sein Eigen sei, sondern alle Dinge waren ihnen gemeinsam.

Das Privateigentum:

Es etabliert sich auf der Linie der Verweltlichung und führt zum krassesten Abfall von der eigentlichen SACHE CHRISTI, zunächst über Thomas von Aquino, der ein relatives Privateigentum im Geiste der mittelalterlichen Genossenschaftlichkeit rechtfertigt, dann über die Reformatoren, die entsprechend ihrem individualistischen Denken auch das Privateigentum rechtfertigen, freilich im Sinne eines bloßen Verwaltungsrechtes. Calvin jedoch beseitigt schließlich das Zinsverbot, indem er dem Zins eine soziale Funktion zuweist. Von hier geht die Linie des Abfalls weiter hin zur verweltlichten Bügerlichkeit und äußert sich zuletzt im Kapitalismus als dem äußersten Gegenpol zum Kommunismus der SACHE CHRISTI.

Ausgerechnet auf dem Boden des Calvinismus stezt allerdings ca. 200 Jahre später mit Carlyle und Owen die große Opposition in Gestalt des Sozialismus und Kommunismus gegen das ein, was in den Händen des offiziellen Christentums aus der SACHE CHRISTI gemacht wurde.

Leonhard Ragaz:

Hier erhebt sich der Kommunismus (der nun auch Sozialismus heißt) im Namen des Antichrist gegen Christus. Er tut es, weil der offizielle Christus den Kommunismus (und Sozialismus) nicht vertreten hat, und hat sein Feuer doch von Christus!

Das Liebesmahl der Gemeinde:

Seinen höchsten und schönsten Ausdruck findet der Kommunismus Christi im Liebesmahl der Gemeinde ... Wieder stehen wir vor einem Geschichtswunder höchster Art. (L. Ragaz)

Die Agape (griech.: Liebe) ist die Fortsetzung des Abendmahls, das Jesus mit seinen zwölf Jüngern gefeiert hat. Es ist

Leonhard Ragaz:

Es ist nicht nur ein symbolisches, sondern ein wirkliches Mahl. Jeder bringt dazu mit, was er leisten kann, und Alle sollen satt werden. Es ist das Mahl der Familie Christi am Tisch Gottes.

Die älteste Einrichtung der Gemeinde überhaupt, bis weit in die nachapostolische Zeit hinein, wird aber dann doch aus der Realität zum Symbol, aus dem Liebesmahl zur Messe, zum Sakrament des Altar und zum 'Mahl des heiligen Egoismus'. Die Transsubstantiation (Umwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Brot Christi bei der Messe) markiert zugleich die Abwandlung des ursprünglichen Sinnes des Liebesmahles, welches ein wirkliches Essen und Trinken war, zu einem bloß symblischen.

Weil aber das gemeinsame Mahl als rechter und höchster Ausdruck der Verbundenheit des Menschen aus Gott und in Gott – dass alle Gemeinschaft der Menschen zur Agape werde – nicht mehr vorhanden ist, schafft sich die Sehnsucht nach dem Echten einen Ersatz in tausend anderen Formen wie z.B. in Volksfesten oder Weihnachtsfeiern von Vereinen und Firmen.

Die Gestalt der Gemeinde:

Röm. 12, 4-8: Denn gleichwie wir an einem Leib viele Glieder besitzen, nicht alle Glieder aber dieselbe Tätigkeit haben, so sind auch wir, die vielen, ein Leib in Christus, und als einzelne untereinander Glieder, wir haben aber verschiedene Gnadengaben gemäß der uns verliehenen Gnade; wenn wir Weissagung haben, so sei sie in Übereinstimmung mit dem Glauben; wenn wir einen Dienst haben, so geschehe er im Dienen; wer lehrt, diene in der Lehre; wer ermahnt, diene in der Ermahnung; wer gibt, gebe in Einfalt; wer vorsteht, tue es mit Eifer; wer Barmherzigkeit übt, mit Freudigkeit!

1. Kor. 12, 27-31: Ihr aber seid der Leib des Christus, und jeder ist ein Glied daran nach seinem Teil. Und Gott hat in der Gemeinde etliche eingesetzt, erstens als Apostel, zweitens als Propheten, drittens als Lehrer; sodann Wunderkräfte, dann Gnadengaben der Heilungen, der Hilfeleistung, der Leitung, verschiedene Sprachen. Sind etwa alle Apostel? Sind etwa alle Propheten? Sind etwa alle Lehrer? Haben etwa alle Wunderkräfte? Haben alle Gnadengaben der Heilungen? Reden alle in Sprachen? Können alle auslegen? Strebt aber eifrig nach den vorzüglicheren Gnadengaben, und ich will euch einen noch weit vortrefflicheren Weg zeigen.

Die neutestamentliche Gemeinde ist

Leonhard Ragaz:

Diese Gemeinde ist selbstverständlich auch nicht Glied einer überragenden anderen Gemeinschaft, etwa des Staates, sie ist ein selbständiges Volk, ist das Volk, das neue Volk. Darum ist sie auch Gemeinschaft, ist sie die Gemeinschaft. Sie kommt nicht bloß in einem Extra-Gottesdienst, einem Kultus zusammen. Es ist auffallend, wie wenig in der apostolischen Zeit von einem Kultus die Rede ist. Das, was wir Kultus nennen, geht auf in der Versammlung der Gemeinde. Diese aber ist Zentrum des Lebens der Gemeindeglieder überhaupt. Die Versammlung aber gipfelt im gemeinsamen Mahl und schaut zurück auf das in Christus angebrochene und vorwärts auf das in ihm sich vollendende Reich Gottes.

Sie ist durch und durch laienhaft und demokratisch, ohne Berufspriester oder -pfarrer und die Vorsteher werden nicht gewählt, sondern aufgrund ihrer Eignung berufen.

Die Abirrung:

Sie zeichnet sich ab indem,

In der Reformation ...

... tritt die Gemeinde Christi zunächst als eine Wiederherstellung des Urchristentums gegenüber der römischen Theokratie mit ihrem religiösen Imperialsimus in Gestalt des prophetischen Wächteramtes hervor, um den Menschen den Willen Gottes wegweisend, mahnend und strafend vorzuhalten. (L. Ragaz)

Aber mit Luther und dem Luthertum liefert sie dann aber die Gemeinde doch wieder dem Staat aus. Sie bleibt zwar Trägerin der Rechtfertigung aus Glauben und Gnade allein – was jetzt Dogma ist –, aber nicht mehr Trägerin des Reiches Gottes und seiner Gerechtigkeit, nicht mehr Trägerin der SACHE CHRISTI im umfassenden Sinne.

Sie hat an die Stelle des Priesters den Schriftgelehrten gesetzt. Sie hat aus der Gemeinde des Geistes eine Gemeinde des Amtes gemacht. Sie ist keine Gemeinschaft des Lebens und Alltags geworden, sondern nur eine des Kultus und Dogmas. Sie hat den neuen Sündenfall begangen, sich an den Staat zu heften. Und ist so des Segens, welcher der wirklichen Gemeinde gilt, ist der Vollmacht, die der wirklichen Gemeinde verheißen ist, verlustig gegangen, ist aus der 'Gemeinde Gottes' (vgl. 2. Kor. 1, 1 und andere Stellen) zu einer Einrichtung der Welt geworden. (L. Ragaz)

Eine Erneuerung der SACHE CHRISTI muss darum von der Kirche zur Gemeinde zurück führen, nicht zu einer von institutioneller Art, aber zu einer von charismatischer Art.